Aberysstwyth - TREFIN - Glastonbury

02. - 04. Juli 1999

Heute war der Tag der Mißgeschicke und Irrtümer... Der Morgen begann mit Mist (engl. = Nebel) und die Fahrt entlang der Küste von Aberystwyth in Richtung Süden verlief zum größte Teil regnerisch und Nebel mit Sichtweiten unter 100 Meter. Doch im Laufe des Tages lockerte es etwas auf und wir entschlossen uns zu einem Abstecher in Richtung CARDIGAN ISLAND. Gegenüber der Insel, auf dem Festland, gibt es ein Gebiet der Steilküste, das von Seehunden bewohnt ist. Der Zugang erfolgt über eine Farm, die einen kleinen Eintritt kassieren. Dafür kann man sich dann auch noch einige heimische und exotische Tiere auf dem riesigen Farmgelände anschauen. Natürlich konnte man auch etwas Futter kaufen um die Tiere zu füttern. Vorbei ging es an den Shetland Ponys und Bruce, dem Känguruh bis wir schließlich das Lama erreichten, das auch sofort ganz neugierig an den Zaun getrabt kam. Noch schneller allerdings waren die Ziegen, die nahmen dann gleich den kürzeren Weg, drängelten das Lama zur Seite, das nun etwas ärgerlich wurde. Zum Spucken kam es glücklicherweise nicht, ich fütterte es vorher. Doch das konnte eine kleine Ziege nicht vertragen, sie wollte auch etwas, kroch unter dem Zaun durch und stand mir einen Augenblick später mit den Vorderhufen auf den Füßen. Die hungrige Ziege...Also bekam jetzt die Ziege etwas, dies wiederum machte eine Horde Schweinchen ganz närrisch, die jetzt auch grunzend angestürmt kamen und ihren Anteil forderten. Dann kam ich zu nahe an den Zaun und Papa Ziege kaute an meiner Jacke – Flucht! Wir verließen das Farmgelände und gelangten auf den Küstenwanderweg, auf dem man die gesamte Grafschaft Pembrokeshire umwandern kann. Da es sehr stürmisch war, hatten sich die Seehunde (Seals) in eine Bucht verzogen, die wir nach einer kleinen Wanderung erreichten. Unterhalb unseres Aussichtspunktes tummelten sich sechs der Tiere im Wasser, spielend, jagen und dann wieder nach oben schauend und die Menschen betrachtend... An dieser Stelle fiel die Steilküste etliche Meter ab, wir verließen die Absperrung um ein oder zwei Meter zu gewinnen und beobachteten, filmten und fotografierten die Seehunde bestimmt eine halbe Stunde lang. Dann verließen wir die geschützte Bucht mit ihren Unmengen an Vögeln und wanderten in Richtung Auto, fuhren dann weiter über FISHGUARD bis MATHRY. In dem letzteren, kleinen Ort sollte es nach den Informationen der Reiseführer ein hervorragendes Restaurant mit Seafood-Spezialitäten zu sehr humanen Preisen geben, das FARMERS ARMS. Früh wurde auf das Meer gefahren und gefischt, mittags wurde es im Restaurant serviert... Allerdings umkreisten wir den Ort zweimal bis wir das Restaurant gefunden hatten, die Zeit drängte, da die Öffnungszeiten nur von 12 – 15 Uhr waren. Endlich sehen wir es, finden einen Parkplatz und stürzen darauf zu, es ist 14:45 Uhr! Wir öffnen die Tür in den Garten – nichts. Ruhe. Die Stühle hochgestellt. Ein Mann kommt aus dem Hintergrund, erklärt: "Nach zweiunddreißig Jahren haben wir uns zur Ruhe gesetzt. Das Restaurant ist seit letzter Woche geschlossen! Früher wäre um diese Zeit alles vollbesetzt gewesen, ein Hummer für zehn Pfund, das hättet ihr nirgendwo anders in Großbritannien bekommen, das zog die Leute an! Aber wir sind müde geworden und die Gesundheit...." Nun gut, wir entschlossen uns, zuerst unsere Unterkunft zu suchen und danach etwas Eßbares. Der Ort Trefin war schnell erreicht, wir fuhren einen anderen Weg als geplant, über enge Countryroads entlang der Küste und gelangten von einer anderen Seite in das Dorf. Doch jetzt stimmte die Wegbeschreibung der Vermieterin nicht mehr, wir suchten das Dorf ab, Sackgasse rein und rückwärts raus, Leute gefragt, die es auch nicht kannten, aber schon den Namen gelesen hatten. Schließlich benutzte ich das Handy. "Na klar ganz einfach, ihr fahrt zurück bis ...." Ganz so einfach wurde es doch nicht, ich mußte noch einmal anrufen, aber dann fanden wir es! Nach den einhundert Häusern des Ortes und achtundzwanzig Sackgassen fanden wir unsere Unterkunft etwas außerhalb des Ortes, ruhig und etwas abgelegen. Hier erwartet uns ein gediegener Luxus, der uns für die Irrfahrten entschädigt!Awel Mor Guesthouse, unser Domuzil in Pembrokeshire

Naja, wir haben unseren Koffer und die anderen Utensilien nach oben gebracht und entschlossen uns nach St. Davids zu fahren um dort zu essen. Irgendeine Kleinigkeit in einem Pub, viel mehr mußte es gar nicht sein. Allerdings war es erst 16 Uhr und im Pub gab es erst zwei Stunden später etwas zu essen! Die sehr teuren Restaurants öffneten auch erst um diese Zeit, also blieb uns nur noch der Weg in eine Fast Food Höhle, die zu übertriebenen Preisen aufgewärmte Speisen verkaufte... Der CheDie Kathedrale von St. Davidseseburger für 15 DM wird mir noch lange in Erinnerung bleiben! Auf solche Art gestärkt besichtigen wir die Stadt weiter. Den Höhepunkt bildet natürlich die Kathedrale von St. Davids, denn das Stadtrecht hat dieses Dörfchen wahrscheinlich nur wegen dem Bischofssitz. Als wir die Kathedrale betraten, hatten wir nur kurze Zeit um uns umzuschauen, denn ein Mönch Pfarrer oder Priester, jedenfalls ein Mann im schwarzen Mantel wies uns darauf hin, daß der Service beginnt und wir uns setzen müßten. Wir konnten die Architektur und die Holzdecke und die Gesänge des Chors bewundern, aber uns nicht weiter umsehen. Das bleibt uns dann für ein anderes Mal....


Leon Downey mit "curd", dem QuarkNebel. Die Felder in der Umgebung enden bereits nach wenigen Metern, hinweggeschrumpft durch die wabernden weißlichen Wolken da draußen. Alles scheint feucht zu sein. Naß und kalt. Doch noch vor dem Frühstück erfahren wir im Wetterbericht, daß in London / Wimbldon bereits schönes Wetter ist, der Nebel durch die Sonne hinweggebrannt wurde. Hier noch nicht. Wir warten. Aber nicht im Zimmer – wir fahren zum LLANGOLFAN CHEESE CENTER, gerade mal vier Meilen von uns entfernt. Hier wird der Käse nach der traditionellen Methode zubereitet und die Besucher haben die Chance diesen Herstellungsprozeß fast vollständig zu verfolgen. Früh am morgen beginnt der Herstellungsprozeß mit dem Vorheizen des Troges, dem Melken. Ab acht Uhr geht es dann los, Leon Downey, der mit seiner Frau Joan die Farm betreibt, fügt der Milch die "Startkultur" zu, ab 10 Uhr können dann die Besucher erleben wie der Quark geschnitten wird. Dies geschieht alles in dem einen Käsetrog, allerdings erfolgt das Schneiden maschinell mit rotierenden Klingen. Nach einer weiteren Stunde wird der Quark (Curd) von der Molke (Whey) getrennt. Die Molke wird in Gefäß gepumpt und den Bauern der Gegend zur Verfügung gestellt. Immer wieder gibt es Pausen in der bühnenreifen Vorstellung von Leon, denn hier, vor den Augen der Besucher, erfolgt die tägliche Produktion des Llangloffan Cheese, der mittlerweile sogar in den USA verkauft wird. Wir nutzten diese Pausen, tranken Tee und Elderflower Spritz ( Holunderblütenlimonade), aßen frisch gebackenes Italienisches Brot mit getrockneten Tomaten und Basilikum und dazu natürlich eine Kostprobe roten Llangloffan und des abgelagerten, "normalen" Käses. Nach der MittagspausBei der Mittagspause im Llangloffan Cheese Centere ging es dann weiter: der mittlerweile abgetrocknete Quark wird gemahlen, gewürzt und in Formen gepackt, die am nächsten Morgen gepreßt werden. Zum Abschluß gab es noch einen Abstecher in den klimatisierten Lagerraum, in den ich mich am liebsten eine Weile lang eingeschlossen hätte... Interessant ist auch der Werdegang von Leon Downey, der fünfzehn Jahre lang Violine in dem Halle Orchestra spielte, oft sechs Auftritte in der Woche irgendwo auf der Welt. Als er dann damit aufhörte, gab es keine Käsefabrik in Wales mehr, die den Käse noch nach traditionellem Verfahren herstellte. Er nahm das in Angriff, wurde dann auch sehr populär und wurde sogar durch Prince Charles unterstützt.

Das Wetter hatte sich vor lauter Käse geändert – blauer Himmel und nur vereinzelte Wolken, es war drückend heiß! Nach einem kurzen Besuch einer Woollen Mill entschlossen wir uns zu einer Wanderung von ABEREIDDY nach PORTHGAIN. Dieser Weg ist auch wieder ein Teil des Pembrokeshire Coastal Path, der sich entlang der kliffigen Küste windet. Unsere Wanderung führte uns vorbei an dem verlassenen Dorf Abereiddy, das bis in die dreißiger Jahre der Wohnort für die in der benachbarten SchieferBlue Lagoongrube Arbeitenden war. Durch eine Sturmflut und eine darauffolgende Typhusepidemie wurde der Ort aufgegeben, nur fünf oder sechs Häuser auf einer Anhöhe sind heute noch bewohnt. Der Weg führte an der ehemaligen Grube und heutigen Blue Lagoon vorbei und dann aufwärts. Von hier oben bietet sich ein herrlicher Blick auf die Küstenlinie bis nach Fishguard, dessen weißer Leuchtturm auf der Klippe Lichtsignale hinter der gerade ausgelaufenen Fähre nach Irland hinterherblitzt. Im Schatten eines Hügels ruhen wir uns kurze Zeit aus bevor wir weiter nahe am Abgrund dahinwandern... Fremdartig erscheint uns vor allem der nahtlose Übergang von Feldern und Weiden zum Meer. Nur durch ein kleines Steinmäuerchen getrennt, weiden die Schafe bevor es senkrecht an die hundert Meter nach unten geht! Den Fischerort Porthgain erreichen wir über eine steile Treppe, die direkt in die Bucht hinunter, in das Hafenbecken führt. Nach einer Erfrischung im SLOOP INN besuchen wir eine kleine Kunstgalerie, die sehr interessante Grafiken und Gemälde ausstellt und in der auch der schier unvermeidliche Tee ausgeschenkt wird. Leider wird die Zeit zu knapp, uns bleibt nur eine Viertelstunde Die Küste von Pembrokeshire bei Porthgainfür den Rundgang... Doch nicht nur die Galerie machte Feierabend, sondern auch die Sonne, die sich schlagartig hinter den sich vereinigenden Wolkenmassen verkroch. Von freundlichem Weiß wechselte die Farbe in ein ungestümes Grau, fast scheint es als wollten die Wolken die Erde berühren am Rande des Meeres. Ohne die Sonne fällt auch die Temperatur, wir werden auf dem Rückweg kräftig durchgeblasen, der scharfe Südwind treibt uns Tränen in die Augen, doch noch vor den ersten Regentropfen erreichen wir unser Auto und unsere Unterkunft.


Wieder einmal ein Reisetag! Und wieder einmal einer, der mit Regen und diesigem Wetter beginnt. Als wir PEMBROKE erreichen, läßt der Regen nach, hört schließlich ganz auf und wir können Pembroke Castle in aller Trockenheit besichtigen. Treppauf, treppab ging es quer durch den Geburtsort der Tudor-Dynastie, durch die Burg, die von einem Montgomery erbaut wurde und nach Cromwells Belagerung und Zerstörung verfiel bis sie Anfang diesen Jahrhunderts teilweise wieder aufgebaut wurde. Vom Dach des GREAT KEEPs, des Burgfrieds, bis hinunter zur GOVAN HÖHLE besichtigten wir alles. Da mußten wir als Abschluß noch ein Andrea & Oliver in Pembroke CastleSandwich und einen Tee zu uns nehmen, bis es weiterging, an Swansea und Cardiff vorbei nach Glastonbury.

 

 

 

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08.08.99 Oliver Mayfarth