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Trefin - GLASTONBURY - Harwich 04. - 07. Juli 1999
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, daß wir in einem uralten Hotel wohnen?
Zumindest erwähnt hatte ich wohl, daß es 1457 von Abbot Selwood wieder
neu aufgebaut wurde. Aus dieser zeit scheint auch noch die komplette Einrichtung
zu stammen... Hier im Pub ist der Fußboden mit einem dicken, verblichenem
roten Teppich ausgelegt, die dicken dunklen Tischplatten inmitten der
biergeschwängerten Luft könnten wahrscheinlich viele Geschichten erzählen,
fünfzig Jahre an Alter reichen da bestimmt nicht aus... und die Sessel
mit ihrer roten Lederpolsterung und hölzernen Armlehnen, die von den vielen
Besuchern hellgeschabt sind, die Tischplatten, die keine scharfen Kanten
mehr haben, abgerundet, knarrend, dunkel gegerbt vom vielen Stout... Aber
das Beeindruckendste sind neben den mehr als zwanzig Zentimeter dicken
Holzbalken an Decke und Wänden vor allem die bleigefaßten Butzenfenster.
Die Fensterfront besteht aus einer viergeteilten Nische, die links und
recht jeweils von einem weiteren Fenster begleitet wird. Die Mitte der
Fenster ist klar, umrahmt von einem blau gelb rotem Farbenspiel, oben
mit den Ornamenten des Steins verschmelzend. Die mittlere Form der Ornamente
könnten symbolisierte gefaltete Hände darstellen ebenso wie die stilisierte
Silhouette des Tor, umrahmt von runden, kreuzähnlichen Symbolen. Inmitten
der Nische befindet sich eine kleine Sitzbank mit Blick zur Bar, doch
jeder Blick mit Hoffnung auf Bedienung ist hier vergebens, wie in jedem
Pub ist self service angesagt, bestellen und bezahlen sofort an der Bar,
why not. Die Steine der Fensterbank sind geschwärzt vom Alter und großflächig
abgebrochen und abgegriffen, der Stein erscheint fast speckig. Bei einem
Pint Beamish Stout zieht der Tag noch einmal vorbei irgendwo hatten
wir ein Faltblatt über die Wookey Hole Cavern mitgenommen. Mich hat noch
mehr als die Höhle und die Attraktionen fasziniert, daß ein Teil der Handlung
des Romans "Glastonbury Romance" von John Cowper Powys dort
stattfindet. Also erkoren wir die Höhlen zu unserem heutigen Ziel, obwohl
wir wieder einmal durch den deftigen Preis von DM 21 pro Person ziemlich
abgeschreckt wurden. Doch diese riesige Höhle, die durch den River Axe
geformt wurde, von der heute sechsundzwanzig Kammern erforscht wurden
und alles weiter unbekannt ist, wo die Spuren der Besiedlung bis weit
in die Urzeit reichen und selbst Knochen gefunden wurden, die auf 25.00
bis 35.000 v.u.Z. datiert werden, diese Höhle hat uns dann doch in ihren
Bann gezogen. Mit dem der Öffentlichkeit zugänglichen Bereich von neun
Höhlenkammern, deren Längste sechzig Meter mißt, eine Andere einen Durchmesser
von vierzig Meter hat, der durch einen jahrtausendelangen Wasserwirbel
verursacht wurde oder der Eingangsbereich mit einem riesigen zusammengewachsenen
Stalagmiten hat diese Höhle uns echt begeistert. Am Ausgang erwartet uns
dann ein kleiner Kanal, der vom Fluß abgezweigt wurde um die Papiermühle
zu betreiben.. Noch heute wird dort Papier hergestellt, man kann die Männer
bei der Arbeit betrachten oder sich sogar selbst darin versuchen. Ein
sich anschließendes Spiegelkabinett und ein kleiner Spielsalon sowie ein
Geschäft runden das Bild einer Familien All Wetter
Attraktion ab. Allerdings ereilte uns ein Gewitterguß, dessen ersten Teil
wir in einem Laden und dem zweiten Teil im Restaurant entgehen. Trotz
des jetzt sehr regnerischen Wetters fahren wir weiter nach C
Gras. Klee. Steine. Und Menschen, viel mehr als zuvor in
diesem Urlaub und gar nicht mehr vergleichbar: englisch, deutsch, japanisch
und ungarisch... Na klar, Stonehenge ist schließlich die Attraktion der
ancient times, immer noch eingehüllt in den dichten Mantel des Mythos.
Denn warum wurden ausgerechnet die blauen Steine aus Preseli, Pembrokeshire
verwendet? Das liegt immerin weit über 150 km entfernt. Warum sind diese
Steine auf den Sonnenaufgang ausgerichtet? War es ein Sonnentempel? Eine
astronomische Uhr? Oder alles doch nur ein simpler Zufall? Ehrfurcht vor der Bauleistung darf man auf jeden Fall empfinden. Auf die Wiese legen und nur die Umgebung genießen, die Gegenwart der Steine erleben, spüren, auf sich einwirken lassen... Seit ca. 5500 Jahren stehen diese Steine bereits hier, zuvor gab es vermutlich einen äußeren Kreis aus Holz.... Übrigens, die blauen Steine sind um einiges wärmer als die normalen Steine aus der Umgebung. Die Beispielsteine am Parkplatz verdeutlichen das sehr stark. Wir verlassen diesen interessanten, menschenüberfluteten Ort und entschließen uns noch das WHITE HORSE von UFFINGTON zu besichtigen.
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08.08.99 Oliver Mayfarth |