Betws-y-coed    - ABERYSTWYTH -    Trefin

29. Juni - 02. Juli 1999

Schließlich erreichten wir unser Farmhouse Y GELLI. Das Zimmer ist hell, modern und freundlich, allerdings ist das Bad und die Toilette gemeinsam mit den anderen Bewohnern zum nutzen... Ein kurzer Abendausflug führt uns einige Meilen ins Landesinnere, wir wandern etwas, erholen uns auf dem Rückweg im DRUID INN und fahren zum verspäteten Sonnenuntergang in die Stadt – der vergoldete Himmel läßt die Fassaden an der Promenade aufleuchten, die Wolken glühen...Sonnenuntergang in Aberystwyth

Wir haben das schöne Wetter abonniert, zumindest ist es heute wieder sonnig, windig, einige Wolken jagen dahin – das optimale Wetter um die Umgebung zu erkunden. Der Anfang ist die DEVILS BRIDGE, an einem malerischen Wasserfall gelegen und einer der Anziehungspunkte der Gegend. Diese Brücke ist nicht eine, sondern eigentlich drei Brücken, die übereinander errichtet wurden. Um die Älteste ranken sich Sagen, eine besagt folgendes: "Die einzige Kuh einer Bäuerin verlief sich in dem Tal, gelangte auf verschlungenen Wegen auf die andere Seite der Schlucht. Der Bäuerin war es nicht möglich diese Seite zu erreichen, den Weg, den die Kuh genommen hatte, fand sie nicht. Der plötzlich auftauchende Teufel bot der armen Frau Hilfe an, natürlich mit einer Gegenleistung: die Seele des ersten lebenden Wesens, das die Brücke freiwillig überquert, gehört ihm. Nach einigem Überlegen willigte die Bäuerin ein. Nachdem die Brücke fertiggestellt war, freute sich der Teufel bereits auf die Kuh. Die Bäuerin indes lockte einen alten Straßenköter über die Brücke, indem sie einen Knochen auf die andere Seite der Brücke warf. Damit war das Versprechen erfüllt und die Frau konnte die Kuh in aller Ruhe heimführen und hatte auch für die Zukunft endlich einen Weg auf die andere Seite der Schlucht gewonnen..." Über diese Brücke wurde dann im Mittelalter die zweite Brücke errichtet, die letzte, jetzt benutzte Brücke, entstand in diesem Jahrhundert. Das Tal jedenfalls ist malerisch, der Abstieg in die tiefe Schlucht ist interessant, zwischen den Bäumen eröffnet sich immer wieder der Blick auf den Wasserfall, dichter Wald umgibt uns und hoch oben kreist ein roter Milan... Nach dem wir die andere Seite der Schlucht erklommen haben, rasten wir an der Station einer kleinen Schmalspurbahn, die von Aberystwyth bis hierher führt. Bevor es weiter geht, genießen wir Tea und Welsh Cake....

CWM RHEIDOL, LLYWERNOG LEAD MINES

Oliver am Eingang zur BleimineHier, in den Blei- und Silberminen erwartet uns eine andere Welt. Wir sind fast im Zentrum eines riesigen Bergbaugebietes, das vor etwa einhundert Jahern stillgelegt wurde. Die LLYWERNOG-Mine ist die einzig öffentlich begehbare davon und das nicht nur über Tage, sondern auch ein Stückchen in den Berg hinein. Wenn ich alles richtig verstanden habe, wird zuerst ein waagerechter Stollen von der Talsohle aus in den Berg getrieben, der sich mit einer senkrechten Bohrung trifft. Dann wird der waagerechte Gang zu einer Kammer erweitert. Diese wird dann abgestützt und das Blei wird nach oben hin abgebaut. Daraus ergeben sich Holzkonstruktionen mit Leitern und Laufplanken, Balken und Bohlen. Beim funzligen Licht von Kerzen wird das Metall abgebaut, das in Quarzadern eingeschlossen ist. Um ein wenig die Atmosphäre der alten Zeit nachvollziehen zu können, löschen wir unsere Lampen, erleben eine fast absolute Dunkelheit, begleitet von ständigen Tropfen des Wassers bis wieder blakender Kerzenschein über die Wände huscht. Dann und wann trifft ein Tropfen das Gesicht oder den Nacken. Aber eiskalt läuft es mir nicht nur deswegen den Rücken runter, sondern bei der Vorstellung der Arbeitsbedingungen, die die Bergarbeiter hier hatten... Mit sieben bis acht Jahren begannen die Meisten hier ihre Arbeit, auf Grund der Arbeitsbedingungen und des Quarzstaubes, der mit seinen feinen, scharfen Partikeln die Lungen zerreißt, betrug die Lebenserwartung maximal 35 Jahre. Durch die zunehmende Mechanisierung und Einsatz der ersten Preßlufthämmer wurde das sogar noch drastischer, da viel mehr von dem tödlichen Staub entstand. Bezeichnenderweise nannte man dann den ersten Preßlufthammer WIDOW MAKER – Witwenmacher. Erst später wurden Geräte mit Wasserspülung eingesetzt, dadurch wurde der Staub gebunden und nicht mehr so schädlich. Durch das Entdecken großer Bleivorkommen in Südamerika verfielen die Preise und der Abbau lohnte sich nicht mehr, die Gruben wurden geschlossen. Wir begaben uns auf den Rückweg durch den Stollen, der Rücken ist so gebeugt, daß die Grubenlampe nur den Boden erleuchtet, ab und an kollidiert der Sturzhelm mit der schroffen Decke... An der Oberfläche gibt es auf einem Lehrpfad die Möglichkeit das Gelände zu erkunden, einen weiteren Stollen zu besichtigen, der sogar einen Briefkasten besitzt, noch funktionierende, riesige Wasserräder, die einst die Steinzerkleinerer angetrieben haben. Nachdem wir noch das Bergbaumuseum besichtigt haben, fahren wir weiter ins Tal, in Richtung Stausee...

CWM RHEIDOL, TALSPERRE

Stausee im Tal Cwm Rheidol

Jetzt sitzen wir am Rande des Rheidol Tales, die Berghänge links und rechts wiegen sich über den grasenden Schafen und Kühen, das Grün der Bäume, der grasigen Hänge... Ruhe, Sonne und das gelegentliche Schnaufen der Schmalspurbahn, Fische glucksen an der Wasseroberfläche und der Wind läßt die Bäume und uns ein wenig frieren. Vor uns erstreckt sich das Wasser eines der Stauseen, die für die Stromerzeugung genutzt werden und wahrscheinlich auch als Trinkwasserreservoir.

 

THE SULLEN SKY....

Ja, der Himmel ist wirklich verdrießlich, die Wolken halten zusammen, noch lassen sie kaum ein Fünkchen Blau durch, selbst die Ziegen im Stall sind noch ruhig, nur die Jets der RAF heulen im Tiefflug durch die Landschaft, fast als wäre die Stimmung zu friedvoll... Wir entschließen uns dann etwas mehr über die Kelten zu erfahren, zu lernen – wir fahren nach MACHYNLLETH. Wir fahren jedoch nicht die große, gut ausgebaute Strecke, sondern über die kleineren, schmäleren Countryroards, die oft so schmal sind, daß nur ein Auto hindurchpasst... Der erste Ort, in den wir gelangen, ist Borth. Dieses nördlich von Aberystwyth gelegene Dörfchen besteht eigentlich nur aus einer langen Straße am Meer, die von Häusern gesäumt ist, und einem verlassenen Strand... Weiter ging es dann in Richtung Landesinnere, bis wir ziemlich schnell die CELTICA – Ausstellung erreichten, die aus einer Multivisions-Show, einem Museum und Ausstellungen sowie einem Computerkabinett besteht. Der relativ hohe Eintrittspreis von ca. 15 DM hat sich dennoch gelohnt, als wir mehrere Stunden später, nach dem Abschluß im Café mit Sandwich und Tea, das Gelände verlassen, sind wir immer noch begeistert und um einige Erfahrungen reicher. Am späten Nachmittag wollen wir noch den Constitution Hill in Aberystwyth per Cablecar erklimmen. Doch leider hat entweder die Saison hier noch nicht begonnen oder die Betreibergesellschaft hat sich aufgelöst. Es sieht jedenfalls absolut verwahrlost aus und später, als wir den Gipfel zu Fuß erklommen haben, sieht es dort oben genauso verlassen aus. Der Blick allerdings, der sich von hier oben aus auf das ehemals mondäne Seebad aus eröffnet, ist grandios – die Bucht öffnet sich, bietet die Stadt an, mit Universität und Castle, Pier und Promenade. Von hier erkennt man den Verfall an den Häusern nicht, die Abendsonne intensiviert die Farben, alles leuchtet und glänzt, das Meer lockt und im Hintergrund, als Bewacher der Stadt, grünt PAN DINAS, ein Hügel, der in längst vergessenen Zeiten bewohnt war...Blick von Pan Dinas auf die Küste entgegengesetzt von Aberystwyth

 

 

 

 


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28.07.99 Oliver Mayfarth