Heute früh ging es zeitig raus
- 6:30 Uhr saßen wir bereits im Bus, der uns bis zum Fuß des SIGIRYIA
FELSENS fuhr. Die ehemalige Festung selbst blieb uns noch hinter Nebelschleiern
verborgen, die den größten Teil des Felsens umhüllten. In der
Morgenkühle waren wir die ersten Besucher des Felsens und somit auch ungestört
und weitestgehend unbelästigt von Hilfe anbietenden Führern, die den
Aufstieg bis zur Spiegelmauer erleichtern wollten. Wir
überquerten einige Wassergräben und gelangten nach einer parkähnlichen
Anlage zum eigentlichen ersten Teil des Aufstieges. Diese Verteidigungsvorrichtungen
wie Gräben etc., die in alten Zeiten angelegt wurden, kamen nie in Bedrängnis,
da der eine Kampf, der hier stattfand, weiter entfernt von der Festung ausgetragen
wurde. In der Zwischenzeit haben wir die Spiegelmauer nach unzähligen Stufen
atemlos und durchgeschwitzt erreicht. Diese Mauer hat ihren Namen von ihrer
Bearbeitung erhalten, denn nach dem Verputzen wurde die Oberfläche geschliffen,
so dass sie wie ein Spiegel wirkt. Der Abstand vom Fels bis zum Abgrund beträgt
nur zwei Meter und die Mauer bildet den Abschluss vor der Tiefe. Die Inschriften,
die darin eingeritzt sind, stammen noch aus der
Erbauungszeit
der Festung. Zum ersten Mal sahen wir hier auch eine Art Regenrinnen, die in
Felsüberhänge geschlagen wurden, eigentlich ist es eher eine Abtropfkante,
denn an diesem kleinen Vorsprung tropft das Regenwasser ab. Dadurch bleiben
die Wände trocken und beschädigen nicht die Felsmalereien. Nach der
Spiegelmauer kam der härtere Teil des Programms - der Aufstieg ging jetzt
über leicht angerostete Stiegen, die Schwindel erregende Abgründe
überbrückten... Zumindest der Aufstieg war etwas gewöhnungsbedürftig,
auf dem Rückweg war es besser, aber da spielte die Gewöhnung auch
noch eine Rolle. Auf dem Felsplateau selbst sieht man noch die Umrisse und Mauerfragmente
des einstigen Palastes, des Bades und der Tanzfläche. Und, das an erster
Stelle, es bietet sich ein unvergleichlicher Blick über die gesamte Umgebung.
Die aufgehende Sonne in unserem Rücken erzeugte in den Nebelfeldern, im
Abgrund vor uns, Regenbogenspielereien - selbst steht man im Mittelpunkt eines
Miniaturregenbogens, als Schattenriss nur, als Geist seiner selbst, nur für
sich selbst sichtbar und existierend... Dieser Rundblick, der sich hier bietet,
war auch das Entscheidungskriterium für die Standortwahl dieser Festung.
Nach einem ausgiebigen Genuss desselben ging es den schon erwähnten Weg
zurück, aber nur um erneut eine weitere rostige Treppe in Angriff zu nehmen,
diese Wendeltreppe führte auf einen Felsvorsprung, auf dessen Wänden
sich die berühmten "Wolkenmädchen" befinden.
Das sind Malereien von zum Teil sehr leicht bekleideten Mädchen, die mehrere
hundert Jahre alt sind. Bei einem der Mädchen unterlief dem Maler ein Fehler:
er malte es mit nacktem Oberkörper und die rechte Hand in der Stellung
des Segnens. Da es sich aber um keine Prinzessin handelte, musste sie bekleidet
dargestellt werden. Also wurde das ursprüngliche Bild übermalt, denn
eine nachträgliche Korrektur ist bei dieser Art der Malerei nicht möglich.
Und so scheint noch heute die dritte Hand durch die Bluse hindurch.
Nach
diesem Kunstgenuss folgte ein Kniebelastungstest - der Abstieg. Doch schon nach
kurzer Zeit standen wir wieder unten am Parkplatz, mit leicht zitternden Knien
und durchgeschwitzten Sachen und einem riesigen Hunger.
Also,
ab ins Hotel und nach einer kurzen Erfrischung und dem Frühstück ging
es im Bus nach POLLUNARUWA, der zweiten großen ehemaligen Metropole des
Singhalesenreiches. Auch diese Stadt, welche die Nachfolgerin
von
Anuradhapura wurde, versank für mehrere hundert Jahre im grünen Dschungel
des Vergessens bis sie Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wiederentdeckt wurde.
Die Fahrt dahin ging über kleinere Straßen auf der eigentlich nur
ein Auto Platz hatte. Lehmhütten säumten die Straße und sich
waschende Menschen in den Flüssen und Seen waren ein alltägliches
Bild. Hier scheint vieles natürlicher zu sein, die Flüsse, die Reisfelder
und auch die Menschen. Doch die harte Arbeit und ein Leben in einer uns unbekannten
Kargheit und Einfachheit sind vielleicht ein Grund dafür. Wenn wir in unserem
klimatisierten Kleinbus durch diese Landschaft rollen, prallen Welten klanglos
aufeinander. Doch wer gibt uns die Gelassenheit diese Eindrücke zu verarbeiten?
In Pollunaruwa selbst besichtigen wir einen mehrere hundert Jahre alten Staudamm
und anschließend die historischen Stätten der Umgebung.
Nach den unterschiedlichen Tempelarealen
gelangen wir zu den vier Buddhas, der Beeindruckendste davon ist der Liegende.
Die naturgetreue
Arbeit im harten Granit ist höchst interessant. Weiter geht es dann in
eine Holzschnitzerei und nach einem Mittagessen am See zurück nach Sigyria.
Gegen Fünf Uhr nachmittags unternehmen
wir einen Elefantenritt durch die nähere Umgebung. KUMARI - Prinzessin
hieß unser 22 Jahre altes Elefantenmädchen, das uns fast eine Stunde
lang quer durch den Dschungel und den See trug - zwar langsam aber sicher! Wir
saßen auf dem Rücken, gehalten von einem Gestell, das vielleicht
von einem alten Stahlrohrbett stammte, zur Polsterung einige Decken. Und so
genossen wir das sanfte Wiegen zwei Meter über dem Boden.