17.12.97 PINNAWELA

Heute morgen war der Botanische Garten in der Nähe von Kandy der erste Teil des Tagesprogramms. Es war ein ruhiger Beginn des Tages, vor den Regenschauern flüchteten wir ins Orchideenhaus, später genossen wir die Ruhe des Parks, die nur von den Schreien der Vögel unterbrochen wurde. Bemerkenswert waren die Früchte eines Baumes , die Pearl als Canonballs bezeichnete - Kanonenkugeln. Und so sahen sie auch aus. Dann wieder liefen wir an meterhohen Wurzeln einer Baumallee vorbei bis wir unser allmittägliches Curry zu uns nahmen und uns auf den Weg in Richtung PINNAWELA machten. Die Fahrt dauerte jedoch nicht lange, da wir noch eine Diamantenschleiferei besuchten. Diamanten werden in Sri Lanka nicht gefunden, dafür aber Saphire in den unterschiedlichsten Farbnuancen - verschiedene Blauschattierungen und sogar weißer Saphir, der allerdings an das Feuer eines Diamanten bei weitem nicht heranreicht. Jetzt war es soweit - unser Ziel ist das Elefantenwaisenhaus! Hier werden Elefantenbabies und -kinder, die durch irgendwelche Umstände ihre Familie verloren, z.B. durch Landminen im Norden des Landes, großgezogen und zu Arbeitstieren ausgebildet. Hier gelang auch zum ersten Mal die Geburt von Elefantenbabies in Gefangenschaft. Bei einer immer noch weiter zurückgehenden Population, die zur Zeit bei etwa 2000 liegt, wird das sogar zur Regierungsangelegenheit. Schon bedenklich erschienen uns die genetischen Veränderungen, die man an den Tieren deutlich erkennt: die auf der Insel lebenden Tiere haben zu 95% keine Stoßzähne mehr, da hier der Urwald noch reichlich Nahrung bietet und so keine Bäume mehr mit den Stoßzähnen gefällt werden müssen. Aber viel auffallender sind die Flecken, die die gefangenen Elefanten aufweisen. Als wir die ersten Bilder von diesem Waisenhaus im Fernsehen sahen, dachten wir an Sonnenbrand - unter der grauen Haut wird das rosafarbene Fleisch sichtbar. Und es wird wirklich auch auf die Sonne zurückgeführt, in Verbindung mit Vitaminmangelerscheinungen, die durch die einseitige Ernährung in Gefangenschaft auftritt. Außerdem sind die Arbeitselefanten weit mehr der Sonne ausgesetzt, als ihre frei lebenden Kollegen. Doch an der Einzigartigkeit dieser Institution hier ändert das nichts, denn die Pflege, die die Tiere erhalten, ist immens. Zuerst erlebten wir die Tiere beim Baden im Fluss - wir konnten uns einfach nicht satt sehen an diesen herrlichen Tieren. Ein fast übermütiges Herumtoben im Wasser und im Sand, dabei noch von den Wärtern geschrubbt zu werden - das sind elefantenparadiesische Zustände! Doch irgendwann mussten wir uns von diesem Anblick losreißen, wir gingen über die Straße auf das eigentliche Gelände des Waisenhauses und beobachteten drei bis vier Monate alte Elefantenkinder beim Futtern im Park. Diese Unbeholfenheit, teilweise auch Angst, zum Beispiel einen kleinen Graben zu überwinden: vorher wird alles abgerüsselt, dann die zierlichen Vorderbeine dagegengestemmt. Neeein! Ich will nicht! Dann schnell im Galopp an eine andere unpassende Stelle, bis schließlich nach gleicher Zeremonie doch die erste Stelle benutzt wird, unter lautem Protest natürlich. Doch die später folgende Prozedur des Flasche-Gebens übertraf das alles. Die sechs Babys wurden angekettet nachdem zuvor schon das Tor von den Durstigen belagert und ein langer Rüssel gemacht wurde. Dann, endlich, war der große Augenblick gekommen - ein großes Faß mit Milch wurde in die Mitte gefahren und jeweils zwei Elefanten bekamen gleichzeitig das Fläschchen (ca. 2 Liter). Nein , das gab es nicht nur einmal, eher fünf oder sechs mal. Doch während zwei versorgt wurden, platzten die Restlichen fast vor lauter Gier - die Rüssel waagerecht gestreckt, zerrten sie an den Ketten und versuchten dem köstlichen Nass etwas näher zu kommen. Erfolglos. Aber auch ihr Augenblick kam und der Wächter steckte den Ausgiesser in den schon offenen Mund (oder heißt das Maul?) und verabreichte die nötige Portion. Mittlerweile war bei den Großen die Badezeit zu Ende, sie überquerten die Straße und gelangten auf das Gelände, trotteten an uns vorbei. Plötzlich scherte einer der Elefanten nach links aus, wollte einen anderen Weg gehen, auf eine Gruppe von Mönchen zu, die fluchtartig das Weite suchten. Ein Hund, der ebenso wie ich auf der rechten Seite stand, schaute sich die ganze Prozession in aller Seelenruhe schwanzwedelnd an. Das wiederum gefiel einem der größten Elefanten nicht, der urplötzlich in einen Trab verfiel und den Hund jagte - knapp an mir vorbei. Ich stand wie erstarrt da und versäumte jede Reaktion als der Koloss leichtfüßig an mir vorbeijagte... Bis er an einer Hecke kapitulierte und der Hund schließlich in Sicherheit war. Für uns war das dann das Signal zur Rückfahrt, es wurde langsam dunkel...

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