Heute morgen war der Botanische Garten
in der Nähe von Kandy der erste Teil des Tagesprogramms. Es war ein ruhiger
Beginn des Tages, vor den Regenschauern flüchteten wir ins Orchideenhaus,
später genossen wir die Ruhe des Parks, die nur von den Schreien der Vögel
unterbrochen wurde. Bemerkenswert waren die Früchte eines Baumes , die
Pearl als Canonballs bezeichnete - Kanonenkugeln. Und so sahen sie auch aus.
Dann wieder liefen wir an meterhohen Wurzeln einer Baumallee vorbei bis wir
unser allmittägliches Curry zu uns nahmen und uns auf den Weg in Richtung
PINNAWELA machten. Die Fahrt dauerte jedoch nicht lange, da wir noch eine Diamantenschleiferei
besuchten. Diamanten werden in Sri Lanka nicht gefunden, dafür aber Saphire
in den unterschiedlichsten Farbnuancen - verschiedene Blauschattierungen und
sogar weißer Saphir, der allerdings an das Feuer eines Diamanten bei weitem
nicht heranreicht. Jetzt war es soweit - unser Ziel ist das Elefantenwaisenhaus!
Hier werden Elefantenbabies und -kinder, die durch irgendwelche Umstände
ihre Familie verloren, z.B. durch Landminen im Norden des Landes, großgezogen
und zu Arbeitstieren ausgebildet. Hier gelang auch zum ersten Mal die Geburt
von Elefantenbabies in Gefangenschaft. Bei einer immer noch weiter zurückgehenden
Population, die zur Zeit bei etwa 2000 liegt, wird das sogar zur Regierungsangelegenheit.
Schon bedenklich erschienen uns die genetischen Veränderungen, die man
an den Tieren deutlich erkennt: die auf der Insel lebenden Tiere haben zu 95%
keine Stoßzähne mehr, da hier der Urwald noch reichlich Nahrung bietet
und so keine Bäume mehr mit
den Stoßzähnen gefällt werden müssen. Aber viel auffallender
sind die Flecken, die die gefangenen Elefanten aufweisen. Als wir die ersten
Bilder von diesem Waisenhaus im Fernsehen sahen, dachten wir an Sonnenbrand
- unter der grauen Haut wird das rosafarbene Fleisch sichtbar. Und es wird wirklich
auch auf die Sonne zurückgeführt, in Verbindung mit Vitaminmangelerscheinungen,
die durch die einseitige Ernährung in Gefangenschaft auftritt. Außerdem
sind die Arbeitselefanten weit mehr der Sonne ausgesetzt, als ihre frei lebenden
Kollegen. Doch an der Einzigartigkeit dieser Institution hier ändert das
nichts, denn die Pflege, die die Tiere erhalten, ist immens. Zuerst erlebten
wir die Tiere beim Baden im Fluss - wir konnten uns einfach nicht satt sehen
an diesen herrlichen Tieren. Ein fast übermütiges Herumtoben im Wasser
und im Sand, dabei noch von den Wärtern geschrubbt zu werden - das sind
elefantenparadiesische Zustände! Doch irgendwann mussten wir uns von diesem
Anblick losreißen, wir gingen über die Straße auf das eigentliche
Gelände des Waisenhauses und beobachteten drei bis vier Monate alte Elefantenkinder
beim Futtern im Park. Diese Unbeholfenheit, teilweise auch Angst, zum Beispiel
einen kleinen Graben zu überwinden: vorher wird alles abgerüsselt,
dann die zierlichen Vorderbeine dagegengestemmt. Neeein! Ich will nicht! Dann
schnell im Galopp an eine andere unpassende Stelle, bis schließlich nach
gleicher Zeremonie doch die erste Stelle benutzt wird, unter lautem Protest
natürlich. Doch die später folgende Prozedur des Flasche-Gebens übertraf
das alles. Die sechs Babys wurden angekettet nachdem zuvor schon das Tor von
den Durstigen belagert und ein langer Rüssel gemacht wurde. Dann, endlich,
war der große Augenblick gekommen - ein großes Faß mit Milch
wurde in die Mitte gefahren und jeweils zwei Elefanten bekamen gleichzeitig
das Fläschchen (ca. 2 Liter). Nein , das gab es nicht nur einmal, eher
fünf oder sechs mal. Doch während zwei versorgt wurden, platzten die
Restlichen fast vor lauter Gier - die Rüssel waagerecht gestreckt, zerrten
sie an den Ketten und versuchten dem köstlichen Nass etwas näher zu
kommen. Erfolglos. Aber auch ihr Augenblick kam und der Wächter steckte
den Ausgiesser in den schon offenen Mund (oder heißt das Maul?) und verabreichte
die nötige Portion. Mittlerweile war bei den Großen die Badezeit
zu Ende, sie überquerten die Straße und gelangten auf das Gelände,
trotteten an uns vorbei. Plötzlich scherte einer der Elefanten nach links
aus, wollte einen anderen Weg gehen, auf eine Gruppe von Mönchen zu, die
fluchtartig das Weite suchten. Ein Hund, der ebenso wie ich auf der rechten
Seite stand, schaute sich die ganze Prozession in aller Seelenruhe schwanzwedelnd
an. Das wiederum gefiel einem der größten Elefanten nicht, der urplötzlich
in einen Trab verfiel und den Hund jagte - knapp an mir vorbei. Ich stand wie
erstarrt da und versäumte jede Reaktion als der Koloss leichtfüßig
an mir vorbeijagte... Bis er an einer Hecke kapitulierte und der Hund schließlich
in Sicherheit war. Für uns war das dann das Signal zur Rückfahrt,
es wurde langsam dunkel...