18.12.97 NUWARA ELIYA


Nuwara Eliya liegt hier mitten in einer WolkeSind wir in England? In der Kolonialzeit? Zumindest der Anschein wird erzeugt, im St. Andrews Hotel in Nuwara Eliya. Und mindestens jeder zweite Gast schwärmt über eben diesen Kolonialstil im Gästebuch - über das englische Wetter werden eher weniger phantasievolle Worte verloren. Wie sollte das Wetter auch anders sein, bei diesem Namen NUWARA ELIYA - Stadt über den Wolken. Heute war sie nicht über, sondern vielmehr in den Wolken und die Temperaturen sind entsprechend niedrig: weit unter 20°C! Allerdings sind wir hier dem höchsten Punkt des Landes sehr nah, die Stadt selbst liegt über 2000 m hoch, überragt vom Gipfel des Pidurutalagata mit mehr als 2500m. In einem wolkenlosen Moment sahen wir gestern Abend die Lichter der Fernsehstation dreihundert Meter über uns liegen.


Doch viel interessanter für uns war der Beginn des Hochlandes und damit der Teeplantagen. Nachdem wir lange Zeit die Serpentinen mit unserem Bus hochgekeucht waren, immer an den Teefeldern entlang, erreichten wir MELFORTS TEA ESTATE. Hier besichtigten wir direkt die Fabrikhalle und konnten den Produktionsprozess erleben. Nach dem Pflücken wird die Qualität der Blätter kontrolliert (TWO LEAVES AND A BUD - zwei Blätter und die Knospe, denn mehr darf nicht geerntet werden, da der Qualitätsverlust drastisch ist) und sie gelangen auf den Welkboden. In diesem ersten Verarbeitungsschritt wird die Feuchtigkeit der Blätter gemindert, damit sie für das nachfolgende Rollen elastisch genug sind und nicht reißen. Dies geschieht im Obergeschoss der Fabriken von welchem die Teeblätter über Rutschen nach unten in die Rollmaschinen gelangen. Das in Deutschland so groß geschriebene Wort Arbeitsschutz existiert dort wahrscheinlich noch nicht einmal in irgendeiner Übersetzung auf dem Papier! Nach diesem maschinellen Rollen erfolgt die Oxydation, hier Fermentation genannt. Während dieser Art Edelfäule muss die Temperatur zwischen 23 und 26°C gehalten werden, in dieser Phase entwickeln sich auch die ätherischen Öle. Daran schließt sich die Trocknung bei ca. 90°C an und die Sortierung auf die unterschiedlichen Blattgrade mit anschließender Verpackung. All diese Arbeitsgänge finden in einer heißen, lauten, teestaubigen Halle statt. Frauen schleppen Zentnersäcke voller Tee vorbei. Dieses Arbeitsklima ist unvorstellbar, nicht nur für deutsche Maßstäbe... Und draußen die Pflückerinnen, die für einen Monatslohn von fünfundzwanzig Euro eine Tagesleistung von mindestens 25kg Tee erbringen müssen und in Gemeinschaftsbaracken wohnen leben vegetieren... Dies alles ist der Grund warum die Engländer mit dem Aufbau der Teeplantagen die südindischen Tamilen als billige Arbeitskräfte ins Land brachten, denn für diesen Hungerlohn und unter diesen Umständen wollten die stolzen Lankaner nicht arbeiten. Verständlich. Aber der Tee, den wir zu Beginn der Besichtigung tranken, hat uns trotzdem so gut geschmeckt, dass wir zwei Kilo BOP (Broken Orange Pekoe, die höchste Qualitätsstufe des Ceylon Tees) kauften. Nach einem Rundgang durch die Plantagen ging es dann wieder hinein in den Bus und weiter aufwärts nach Nuwarah Eliyah. Das Mittagessen gab es dann schon im Hotel und anschließend eine halbe Stunde Ruhe bis wir uns zu einer Stadtbesichtigung, endlich einmal zu Fuß, aufmachten. Wir bummelten durch die Straßen und Gassen dieses "Hochgebirgskurortes" , dessen Markttreiben noch so unberührt vom Tourismus erscheint, wie wir es kaum vorher erlebten, vor allem nicht so nah und direkt. Damit sind natürlich auch die Gerüche des Marktes gemeint, die vehement mit aller Intensität über uns zusammenschlugen: frischer und getrockneter Fisch, Fleisch, sämtliche Gewürzsorten, die unterschiedlichsten Currymischungen und man bekommt schon mal eine Vanilleschote unter die Nase gehalten, damit man sieht wie stark der Geruch ist. Und natürlich ein Menschengedränge, wie das bei einem orientalischen Markt zu erwarten ist! Dass es neben diesem lauten Treiben auch einen Golf Course gibt, hat uns bedeutend weniger interessiert, genauso wie der Hill Club - hier besteht abends Smokingpflicht und das ist einzigartig auf der ganzen Insel! Doch da wir diese Zwänge nicht erlebten, empfanden wir Nuwarah Eliyah als einen der schönsten Orte unserer Rundreise.

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