Sind
wir in England? In der Kolonialzeit? Zumindest der Anschein wird erzeugt, im
St. Andrews Hotel in Nuwara Eliya. Und mindestens jeder zweite Gast schwärmt
über eben diesen Kolonialstil im Gästebuch - über das englische
Wetter werden eher weniger phantasievolle Worte verloren. Wie sollte das Wetter
auch anders sein, bei diesem Namen NUWARA ELIYA - Stadt über den Wolken.
Heute war sie nicht über, sondern vielmehr in den Wolken und die Temperaturen
sind entsprechend niedrig: weit unter 20°C! Allerdings sind wir hier dem
höchsten Punkt des Landes sehr nah, die Stadt selbst liegt über 2000
m hoch, überragt vom Gipfel des Pidurutalagata mit mehr als 2500m. In einem
wolkenlosen Moment sahen wir gestern Abend die Lichter der Fernsehstation dreihundert
Meter über uns liegen.
Doch viel interessanter für
uns war der Beginn des Hochlandes und damit der Teeplantagen. Nachdem wir lange
Zeit die Serpentinen mit unserem Bus hochgekeucht waren, immer an den Teefeldern
entlang, erreichten wir MELFORTS TEA ESTATE. Hier besichtigten wir direkt die
Fabrikhalle und konnten den Produktionsprozess erleben. Nach dem Pflücken
wird die Qualität der Blätter kontrolliert (TWO LEAVES AND A BUD -
zwei Blätter und die Knospe, denn mehr darf nicht geerntet werden, da der
Qualitätsverlust drastisch ist) und sie gelangen auf den Welkboden. In
diesem ersten Verarbeitungsschritt wird die Feuchtigkeit der Blätter gemindert,
damit sie für das nachfolgende Rollen elastisch genug sind und nicht reißen.
Dies geschieht im Obergeschoss der Fabriken von welchem die Teeblätter
über Rutschen nach unten in die Rollmaschinen gelangen. Das in Deutschland
so groß geschriebene Wort Arbeitsschutz existiert dort wahrscheinlich
noch nicht einmal in irgendeiner Übersetzung auf dem Papier! Nach diesem
maschinellen Rollen erfolgt die Oxydation, hier Fermentation genannt. Während
dieser Art Edelfäule muss die Temperatur zwischen 23 und 26°C gehalten
werden, in dieser Phase entwickeln sich auch die ätherischen Öle.
Daran schließt sich die Trocknung bei ca. 90°C an und die Sortierung
auf die unterschiedlichen Blattgrade mit anschließender Verpackung. All
diese Arbeitsgänge
finden in einer heißen, lauten, teestaubigen Halle statt. Frauen schleppen
Zentnersäcke voller Tee vorbei. Dieses Arbeitsklima ist unvorstellbar,
nicht nur für deutsche Maßstäbe... Und draußen die Pflückerinnen,
die für einen Monatslohn von fünfundzwanzig Euro eine Tagesleistung
von mindestens 25kg Tee erbringen müssen und in Gemeinschaftsbaracken wohnen
leben vegetieren... Dies alles ist der Grund warum die Engländer mit dem
Aufbau der Teeplantagen die südindischen Tamilen als billige Arbeitskräfte
ins Land brachten, denn für diesen Hungerlohn und unter diesen Umständen
wollten die stolzen Lankaner nicht arbeiten. Verständlich. Aber der Tee,
den wir zu Beginn der Besichtigung tranken, hat uns trotzdem so gut geschmeckt,
dass wir zwei Kilo BOP (Broken Orange Pekoe, die höchste Qualitätsstufe
des Ceylon Tees) kauften. Nach einem Rundgang durch die Plantagen ging es dann
wieder hinein in den Bus und weiter aufwärts nach Nuwarah Eliyah. Das Mittagessen
gab es dann schon im Hotel und anschließend eine halbe Stunde Ruhe bis
wir uns zu einer Stadtbesichtigung, endlich einmal zu Fuß, aufmachten.
Wir bummelten durch die Straßen und Gassen dieses "Hochgebirgskurortes"
, dessen Markttreiben noch so unberührt vom Tourismus erscheint, wie wir
es kaum vorher erlebten, vor allem nicht so nah und direkt. Damit sind natürlich
auch die Gerüche des Marktes gemeint, die vehement mit aller Intensität
über uns zusammenschlugen: frischer und getrockneter Fisch, Fleisch, sämtliche
Gewürzsorten, die unterschiedlichsten Currymischungen und man bekommt schon
mal eine Vanilleschote unter die Nase gehalten, damit man sieht wie stark der
Geruch ist. Und natürlich ein Menschengedränge, wie das bei einem
orientalischen Markt zu erwarten ist! Dass es neben diesem lauten Treiben auch
einen Golf Course gibt, hat uns bedeutend weniger interessiert, genauso wie
der Hill Club - hier besteht abends Smokingpflicht und das ist einzigartig auf
der ganzen Insel! Doch da wir diese Zwänge nicht erlebten, empfanden wir
Nuwarah Eliyah als einen der schönsten Orte unserer Rundreise.