16.12.97 KANDY

Heute war wieder ein Hotelwechsel fällig - der Umzug von Sigyria in das ungefähr 100 km entfernte KANDY. Doch bevor wir unser endgültiges Ziel ansteuerten, besuchten wir noch die Höhlen von DAMBULLA. Dies ist wohl der Ort mit der schönsten und reichhaltigsten Auswahl an buddhistischer Kunst auf Sri Lanka. Über 160 Buddhafiguren befinden sich in den Höhlen, die eigentlich nur Felsüberhänge sind, die auf einer Seite zugemauert wurden. Ehe man hier die Schuhe ausziehen kann, ist wieder einmal ein schweißtreibender Aufstieg fällig. Dabei fielen uns viele Bettler auf, die meisten von Ihnen behindert. Pearl erklärte uns, dass dies ein Wallfahrtsort für die Buddhisten sei und fast jeder Besucher gibt den Bettlern wenige Münzen. Nur wenig, aber es hilft den unter dem Existenzminimum Lebenden ein kleines Stückchen weiter. Endlich hatten wir den Hügel erklommen und schon lachten uns die DambullaVerbotsschilder an: Foto und Video absolut und strikt und überhaupt verboten. Der Grund dafür ist relativ einfach und einleuchtend: es gilt als größte Beleidigung sich mit einer Buddhafigur zusammen fotografieren zu lassen. Alle Touristen bekommen demzufolge auch sofort diese Instruktionen, allerdings werden sie nicht immer befolgt. So auch in diesem Fall - ein Pärchen wurde dabei ertappt und verhaftet, der Buddha anschließend von den Frauen geschrubbt bis die Farbe ab war und neu gestrichen um die Beleidigung abzuwaschen. Ab diesem Augenblick gilt hier das erwähnte Totalverbot. Der belichtete Film hängt neben anderen, die es später versuchten, zur Abschreckung im Schuh-Auszieh-Raum. Das Risiko, meine Filme an der Wand drapiert zu sehen, ging ich dann lieber doch nicht ein, und so gibt es nur einige Außenaufnahmen auf dem Video. In den Medien Sri Lankas war diese Angelegenheit nicht so schnell abgetan, hier wurden noch politische und religiöse Hintergründe vermutet, die aber nicht zutrafen. Der Platz vor den Höhlen ist von der Lage her schon herrlich anzusehen, den letzten Schliff geben aber die Affenhorden, die sich hier und auf den umliegenden Felsen tummeln. In den Höhlen selbst sind die schon erwähnten 160 Statuen zu sehen, die aus den unterschiedlichsten Epochen und Gegenden stammen. Teilweise sind sie in Fels gehauen, die Nächsten aus Holz gefertigt usw. Dambulla von innnenAllerdings waren die im Halbdunkel liegenden und von nur wenigen Kerzen erhellten Höhlen so feuchtwarm, dass wir froh waren , als Pearl seine Erläuterungen beendet hatte und wir die Höhlen wieder verließen. Doch da zeichneten sich dunkle Wolken hinter den nächsten Bergen ab und Pearl sagte " In 5 Minuten regnet es, wir müssen uns beeilen." Wir glaubten es nicht so richtig, die Wolken waren noch weit weg und es ging kaum ein Wind, aber die Erfahrungen des Einheimischen waren richtig - mit Müh und Not gelangten wir noch trockenen Fußes in den Bus! Ganz trocken natürlich nicht, denn der schnelle Abstieg nach dem Aufstieg und den Heißlufthöhlen hatte uns schon weitestgehend durchnässt. Der jetzt niedergehende Wolkenbruch begleitete uns fast die ganze Strecke bis nach KANDY, die uns durch wechselnde Vegetationszonen führte, denn wir gewannen langsam etwas Höhe. Nach einer uns endlos erscheinenden Fahrt gelangten wir in einen Gewürzgarten. Hier waren wir wo der Pfeffer wächst, denn das waren die ersten Pflanzen, die uns gezeigt wurden. Aufgeklärt wurden wir auch über die Herkunft der unterschiedlichen Farben des Pfeffers: die noch unreifen Kapseln sind grün, mit der Reife erfolgt die Rotfärbung, beim Rösten werden die Körner schwarz und ohne Schale sehen sie weiß aus. Und so ging es weiter mit Ingwer, Zimt und Kakao, die Gewinnung von Aloe Vera sahen wir und viele andere Gewürze. Untermalt wurden die Erklärungen mit Hinweisen auf die einheimische Heilkunst AYURWEDA und dem Spruch "Natur hilft." Doch der unbestrittene Höhepunkt war die Schule: erst kamen einige Riech- und Schmeckproben von Kakao und Kräutertee, dann eine Massage mit Tigerbalsam und Rotöl! Während es draußen regnete, saßen wir unter unserem Dach, die Körper dampften nach der sehr wohltuenden Massage. Nachdem wir uns wieder etwas abgekühlt hatten, kauften wir einige Gewürze (diverse Currysorten, Kardamom, Zimt, etc.) und dann ging es weiter bis in eine Batikfabrik. Dort bekamen wir zuerst die Herstellungsmethoden erklärt und auch gezeigt. Interessant ist es wirklich, aber für die dort beschäftigten Frauen ist es Schwerstarbeit in der Hitze, ständig den Parafingestank in der Nase, über den Stoff gebeugt... Auch da sorgten wir für eine Umsatzsteigerung bevor wir die Fabrik verließen und die letzten Kilometer bis KANDY auf einer engen Holperstrecke, genannt Hauptstraße zurücklegten.

Nachdem wir gestern unsere Zimmer bezogen und uns den Höhlenschweiß abgewaschen hatten, ging es schon wieder los - in die Stadt hinunter zu einer Vorführung der Kandy-Tänzer. Zu dem dumpfen, treibenden Rhythmus der Musik wurden verschiedene Themen getanzt, von Teufelsaustreibungen bis hin zu Feuerschluckertänzen zeugten diese Darbietungen von einer sehr hohen Kunst. Doch diese hochinteressante Vorführung, die im Rotkreuzsaal von Kandy stattfand, wurde von den reichlich anwesenden Touristen viel zu wenig gewürdigt. Der Zahntempel von KandyEin Grund dafür ist wahrscheinlich auch, dass Kandy schon beinahe ein Pflichtprogramm für alle Strandtouristen darstellt und diese Tänze ebenso darin enthalten sind wie die Massagen in den Gewürzgärten. Die Interessenlage und Erwartungshaltung ist bei den "Nursträndlern" eben auch komplett anders. Als wir nach der Vorführung auf die Straße traten, war die Dunkelheit schon über die Stadt hereingebrochen und wir gingen den kurzen Weg zum ZAHNTEMPEL. Auch hier wurden wieder verstärkte Kontrollen durchgeführt - die Besucher müssen einen großen Umweg laufen, für Fahrzeuge besteht keine direkte Anfahrtsmöglichkeit und es finden Leibesvisitationen statt ehe man den Tempelbereich betritt. Diese Sicherheitsmaßnahmen sind seit dem Wiederaufflackern der Unruhen, wie schon erwähnt, im ganzen Lande gegenwärtig. Hier, im Zahntempel, einem der größten buddhistischen Heiligtümer, wird ein Zahn Buddhas aufbewahrt. Jeden Tag finden drei Zeremonien statt, die erste bereits um halb sechs morgens und die letzte gegen sieben Uhr abends. Zu dieser waren wir dann auch rechtzeitig da und reihten uns in die Schlange der Wartenden ein. Nicht nur Touristen wollen die Dagoba, in der der Zahn liegt, sehen, nein auch viele einheimische Pilger wollen an dieser Zeremonie teilhaben. Geraume Zeit bevor die Tür zu der Dagoba geöffnet wird, werden die Trommeln geschlagen und das Horn geblasen und dieser hohe Geräuschpegel dauert während der gesamten Zeremonie an. Irgendwann, nach dem wir schon andere Räume des Tempels besichtigt hatten, erklommen wir die Treppe und reihten uns in die Schlange der Wartenden ein. Die Enttäuschung war groß, da wir selbst in dem kurzen Augenblick, den wir zur Verfügung hatten, nicht filmen oder fotografieren durften. In der Bibliothek, die wir anschließend besuchten, war das anders. Hier gab es kein Verbot und wir bestaunten ein 800 Jahre altes Buch, das einen halben Meter dick ist und ca. 1600 Seiten enthält. Hier sind natürlich vor allem buddhistische Schriften gelagert.

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