Heute war wieder ein
Hotelwechsel fällig - der Umzug von Sigyria in das ungefähr 100 km
entfernte KANDY. Doch bevor wir unser endgültiges Ziel ansteuerten, besuchten
wir noch die Höhlen von DAMBULLA. Dies ist wohl der Ort mit der schönsten
und reichhaltigsten Auswahl an buddhistischer Kunst auf Sri Lanka. Über
160 Buddhafiguren befinden sich in den Höhlen, die eigentlich nur Felsüberhänge
sind, die auf einer Seite zugemauert wurden. Ehe man hier die Schuhe ausziehen
kann, ist wieder einmal ein schweißtreibender Aufstieg fällig. Dabei
fielen uns viele Bettler auf, die meisten von Ihnen behindert. Pearl erklärte
uns, dass dies ein Wallfahrtsort für die Buddhisten sei und fast jeder
Besucher gibt den Bettlern wenige Münzen. Nur wenig, aber es hilft den
unter dem Existenzminimum Lebenden ein kleines Stückchen weiter. Endlich
hatten wir den Hügel erklommen und schon lachten uns die Verbotsschilder
an: Foto und Video absolut und strikt und überhaupt verboten. Der Grund
dafür ist relativ einfach und einleuchtend: es gilt als größte
Beleidigung sich mit einer Buddhafigur zusammen fotografieren zu lassen. Alle
Touristen bekommen demzufolge auch sofort diese Instruktionen, allerdings werden
sie nicht immer befolgt. So auch in diesem Fall - ein Pärchen wurde dabei
ertappt und verhaftet, der Buddha anschließend von den Frauen geschrubbt
bis die Farbe ab war und neu gestrichen um die Beleidigung abzuwaschen. Ab diesem
Augenblick gilt hier das erwähnte Totalverbot. Der belichtete Film hängt
neben anderen, die es später versuchten, zur Abschreckung im Schuh-Auszieh-Raum.
Das Risiko, meine Filme an der Wand drapiert zu sehen, ging ich dann lieber
doch nicht ein, und so gibt es nur einige Außenaufnahmen auf dem Video.
In den Medien Sri Lankas war diese Angelegenheit nicht so schnell abgetan, hier
wurden noch politische und religiöse Hintergründe vermutet, die aber
nicht zutrafen. Der Platz vor den Höhlen ist von der Lage her schon herrlich
anzusehen, den letzten Schliff geben aber die Affenhorden, die sich hier und
auf den umliegenden Felsen tummeln. In den Höhlen selbst sind die schon
erwähnten 160 Statuen zu sehen, die aus den unterschiedlichsten Epochen
und Gegenden stammen. Teilweise sind sie in Fels gehauen, die Nächsten
aus Holz gefertigt usw.
Allerdings
waren die im Halbdunkel liegenden und von nur wenigen Kerzen erhellten Höhlen
so feuchtwarm, dass wir froh waren , als Pearl seine Erläuterungen beendet
hatte und wir die Höhlen wieder verließen. Doch da zeichneten sich
dunkle Wolken hinter den nächsten Bergen ab und Pearl sagte " In 5
Minuten regnet es, wir müssen uns beeilen." Wir glaubten es nicht
so richtig, die Wolken waren noch weit weg und es ging kaum ein Wind, aber die
Erfahrungen des Einheimischen waren richtig - mit Müh und Not gelangten
wir noch trockenen Fußes in den Bus! Ganz trocken natürlich nicht,
denn der schnelle Abstieg nach dem Aufstieg und den Heißlufthöhlen
hatte uns schon weitestgehend durchnässt. Der jetzt niedergehende Wolkenbruch
begleitete uns fast die ganze Strecke bis nach KANDY, die uns durch wechselnde
Vegetationszonen führte, denn wir gewannen langsam etwas Höhe. Nach
einer uns endlos erscheinenden Fahrt gelangten wir in einen Gewürzgarten.
Hier waren wir wo der Pfeffer wächst, denn das waren die ersten Pflanzen,
die uns gezeigt wurden. Aufgeklärt wurden wir auch über die Herkunft
der unterschiedlichen Farben des Pfeffers: die noch unreifen Kapseln sind grün,
mit der Reife erfolgt die Rotfärbung, beim Rösten werden die Körner
schwarz und ohne Schale sehen sie weiß aus. Und so ging es weiter mit
Ingwer, Zimt und Kakao, die Gewinnung von Aloe Vera sahen wir und viele andere
Gewürze. Untermalt wurden die Erklärungen mit Hinweisen auf die einheimische
Heilkunst AYURWEDA und dem Spruch "Natur hilft." Doch der unbestrittene
Höhepunkt war die Schule: erst kamen einige Riech- und Schmeckproben von
Kakao und Kräutertee, dann eine Massage mit Tigerbalsam und Rotöl!
Während es draußen regnete, saßen wir unter unserem Dach, die
Körper dampften nach der sehr wohltuenden Massage. Nachdem wir uns wieder
etwas abgekühlt hatten, kauften wir einige Gewürze (diverse Currysorten,
Kardamom, Zimt, etc.) und dann ging es weiter bis in eine Batikfabrik. Dort
bekamen wir zuerst die Herstellungsmethoden erklärt und auch gezeigt. Interessant
ist es wirklich, aber für die dort beschäftigten Frauen ist es Schwerstarbeit
in der Hitze, ständig den Parafingestank in der Nase, über den Stoff
gebeugt... Auch da sorgten wir für eine Umsatzsteigerung bevor wir die
Fabrik verließen und die letzten Kilometer bis KANDY auf einer engen Holperstrecke,
genannt Hauptstraße zurücklegten.
Nachdem wir gestern unsere Zimmer
bezogen und uns den Höhlenschweiß abgewaschen hatten, ging es schon
wieder los - in die Stadt hinunter zu einer Vorführung der Kandy-Tänzer.
Zu dem dumpfen, treibenden Rhythmus der Musik wurden verschiedene Themen getanzt,
von Teufelsaustreibungen bis hin zu Feuerschluckertänzen zeugten diese
Darbietungen von einer sehr hohen Kunst. Doch diese hochinteressante Vorführung,
die im Rotkreuzsaal von Kandy stattfand, wurde von den reichlich anwesenden
Touristen viel zu wenig gewürdigt.
Ein
Grund dafür ist wahrscheinlich auch, dass Kandy schon beinahe ein Pflichtprogramm
für alle Strandtouristen darstellt und diese Tänze ebenso darin enthalten
sind wie die Massagen in den Gewürzgärten. Die Interessenlage und
Erwartungshaltung ist bei den "Nursträndlern" eben auch komplett
anders. Als wir nach der Vorführung auf die Straße traten, war die
Dunkelheit schon über die Stadt hereingebrochen und wir gingen den kurzen
Weg zum ZAHNTEMPEL. Auch hier wurden wieder verstärkte Kontrollen durchgeführt
- die Besucher müssen einen großen Umweg laufen, für Fahrzeuge
besteht keine direkte Anfahrtsmöglichkeit und es finden Leibesvisitationen
statt ehe man den Tempelbereich betritt. Diese Sicherheitsmaßnahmen sind
seit dem Wiederaufflackern der Unruhen, wie schon erwähnt, im ganzen Lande
gegenwärtig. Hier, im Zahntempel, einem der größten buddhistischen
Heiligtümer, wird ein Zahn Buddhas aufbewahrt. Jeden Tag finden drei Zeremonien
statt, die erste bereits um halb sechs morgens und die letzte gegen sieben Uhr
abends. Zu dieser waren wir dann auch rechtzeitig da und reihten uns in die
Schlange der Wartenden ein. Nicht nur Touristen wollen die Dagoba, in der der
Zahn liegt, sehen, nein auch viele einheimische Pilger wollen an dieser Zeremonie
teilhaben. Geraume Zeit bevor die Tür zu der Dagoba geöffnet wird,
werden die Trommeln geschlagen und das Horn geblasen und dieser hohe Geräuschpegel
dauert während der gesamten Zeremonie an. Irgendwann, nach dem wir schon
andere Räume des Tempels besichtigt hatten, erklommen wir die Treppe und
reihten uns in die Schlange der Wartenden ein. Die Enttäuschung war groß,
da wir selbst in dem kurzen Augenblick, den wir zur Verfügung hatten, nicht
filmen oder fotografieren durften. In der Bibliothek, die wir anschließend
besuchten, war das anders. Hier gab es kein Verbot und wir bestaunten ein 800
Jahre altes Buch, das einen halben Meter dick ist und ca. 1600 Seiten enthält.
Hier sind natürlich vor allem buddhistische Schriften gelagert.