Noch liegen 8,5 Stunden Flug und 7500 km vor uns, und hoffentlich ein ruhiger Flug. Wir müssen uns erst einmal an den Gedanken gewöhnen, daß es wirklich soweit weg geht, noch ist der Indische Subkontinent oder die verhältnismäßig kleine Insel SRI LANKA für uns noch kein Begriff, noch nicht in unserer Vorstellung erfassbar. Vielleicht auch durch die nicht vorhandene Einstimmung auf den Urlaub bedingt. Denn erst auf dem Flughafen kamen wir etwas zur Ruhe und auf die ersten Urlaubsgedanken als wir im Transitraum einige buddhistische Mönche in ihren traditionellen Gewändern sahen. Ein eher etwas eigenartiges Gefühl überkam uns, als wir wie drei jugendliche Lankaner sahen, die von zwei Zivilisten begleitet wurden - Abschiebung!
Es sind nur noch 1,5 Stunden bis COLOMBO! Die Zeitumstellung wird bestimmt ziemlich heftig werden, wir haben ja einen Nachtflug - über den Balkan, vorbei an den Lichtern und Ölfeuern von DUBAI und jetzt ist es immer noch dunkel draußen. Es ist ein eigenartiges Gefühl - wieder einmal wissen wir kaum was uns erwartet. Klar, wir haben unsere Reiseführer durchgeschmökert, aber das ist nur ein oberflächlicher Hauch von dem was uns erwartet! Das Schlafen war auch kaum möglich, denn die Besatzung wollte uns schon auf das Klima unseres Zieles einstimmen und hat die Heizung dementsprechend aufgedreht... Nach der Lektüre des "Herald" wissen wir zumindest welches Klima uns erwartet: 30°C, 85% Luftfeuchtigkeit und leichte Bewölkung, und es ist Feiertag: heute ist POYO, das Vollmondfest. Das ist der Spartag - Restaurants und Bars haben geschlossen oder es gibt nur Softdrinks...
Kurz vor sechs Uhr Ortszeit landeten
wir in Colombo, als sich die Türen öffnen schwappt uns die Dunkelheit
und die 26°C warme, schwüle, feuchte Luft entgegen. Allerdings nur
für kurze Zeit, denn für uns Touries ist hier alles klimatisiert,
ob wir wollen oder nicht! Selbst bei dem kleinen Bus, der uns bis zum Hotel
bringt, wir sofort der Motor angeworfen und aus vielen kleinen Düsen faucht
uns eiskalte Luft ins Genick, auf die Stirn - bloß schnell die Klappen
schließen, kalt genug ist es auch zu Hause! Bei der Fahrt durch die Vororte
Colombos, bis wir den Millionenmoloch selbst erreichen, bekommt eine Frau links
vor mir fast Zustände: bei jedem leicht schräg fahrendem Auto, das
sich uns auf weniger als 50 cm nähert zuckt sie zusammen, hält die
Hände vors Gesicht als wir die ersten Müllfelder der Stadt zu sehen
bekommen und sich die Armutsviertel entlang der Straße sich hinziehen.
Dabei erschienen uns diese Bilder noch nicht einmal so schlimm wie Mombasa.
Aber nach einer durchwachten Nacht und das erste Mal in der dritten Welt,...
da sieht man vieles anders, klarer...???
Unser Holiday Inn ist eins der sieben oder acht Luxushotels im Zentrum der Hauptstadt,
nicht weit vom Strand entfernt. Also unternehmen wir nach dem Frühstück
einen Spaziergang bis ans Meer, wehrten mehrere Taxi- und Tuck-Tuck-Fahrer ab,
die ihre Dienste anboten. Trickreiche Bettler versuchen uns, den für hiesige
Verhältnisse übermäßig Reichen, einige Rupien oder Dollar
zu entlocken. Der Strand ist eher zugemüllt, verschmutzt und vor dem Hafen
liegen die Frachtschiffe, hinter uns die Kulisse der Hochhäuser.
Ganz in der Nähe ist auch das World Trade Center, bei dem vor einigen Wochen
ein Bomben-LKW der TAMIL TIGERS explodierte. Noch heute sind die Fenster ringsherum
durch Pappe ersetzt, die vom Explosionsdruck zermalmten Autos stehen noch da,
wie zu dem Zeitpunkt als der mit dem Sprengstoff beladene Laster vor das Gebäude
rollte...
Am Nachmittag unternehmen wir eine Stadtrundfahrt, die uns einen kleinen Einblick
in diese Stadt gewährt. Die Gegensätze, die wir bereits zwischen Hotel
und Strand entdeckten, ziehen sich wie ein roter Faden durch die ganze Stadt,
je nach Viertel wechseln die Extreme: das FORT mit Hochhäusern und World
Trade Center wimmelt nur so vor lauter Polizei und Militär, PETTAH ist
der stinkende, schmutzige Marktteil der Stadt mit all seinem Elend und ein Stückchen
weiter dann CINNAMON GARDEN, das mit seinen englischen Parkanlagen, sehr sauberen
Straßen und der Town Hall die teuerste Wohngegend von Colombo ist.