Dienstag, 19.10.1999 Dhulikhel - Panauti

Regen. Irgendwann in der Nacht weckt uns ein ungewohntes Geräusch, das uns dann den ganzen Tag begleiten wird - fallender Regen! Und das nicht nur in der Light-Version, nein, teilweise stürzt da ganz schön viel Wasser von oben herunter. Morgens befinden wir uns zwischen den Wolken, unter uns, über Nach einer Stund Wanderung befinden wir uns zwischen den Wolkendem Tal, schwebt die erste Schicht, über uns eine weitere. Trotz des Regens brechen wir zu unserer größten Tour auf, die uns über das Bergkloster Namobuddha nach Panauti führen wird. Da der Regen nicht nachläßt, entschließen wir uns für den sichereren Weg, für die sogenannte Straße, denn durch den mittlerweile mehrstündigen Niederschlag ist alles so aufgeweicht und voller Pfützen, daß es für ein Auto unmöglich zu befahren erscheint. Wir erleben zwei Motorradfahrer, die sich selbst davon nicht abhalten lassen und zwischen den Pfützen dahinschliddern. Selbst das Profil unserer Bergschuhe setzt sich langsam zu, wir suchen schon das Gras am Wegesrand, das mehr Halt bietet als das Wechselbad von knöcheltiefen Schlammlöchern und einer glatten SchlammscKarte des Banepataleshicht, die wie Schmierseife wirkt, auf einem festen Untergrund. Dadurch, daß wir die Straße gewählt haben, ist die Steigung kontinuierlich und nicht so gewaltig wie angenommen, lediglich der Anstieg zum Schwarzmützen-Kloster Namobuddha fordert uns noch einmal so richtig. An dieser Stelle traf einst ein Prinz eine Tigerin, die kurz vor dem Verhungern war. Aus Mitleid bot sich der Prinz der Tigerin als Futter an. Die Knochen des dann in einen Buddha transformierten Prinzen sollen sich in dem Stupa befinden, der an dieser Stelle errichtet wurde. Wir gelangen genau zur Mittagszeit am Kloster an, treffen die Mönche beim Essen an, das sie auf einer überdachten Terrasse einnehmen. Uns werden zwei Bänke zur Verfügung gestellt, wir sind froh, dem Regen erst einmal entkommen zu sein, genießen die Trockenheit und unser einfaches Mittagessen, das sich hauptsächlich aus Äpfeln, Bananen und einem belegten Brot zusammensetzt. Nach dem Essen besichtigen wir das Innere des Klosters und wandern dann zu dem tiefer gelegenen Stupa. Während dieses Weges hört der Regen auf, die Sonne bricht für eine Das buddhistische Kloster Namobuddhakurze Zeit durch, doch bereits während des Abstieges in das Tal beginnt es wieder zu regnen... In der Ebene angelangt, die bereits zum Banepa-Tal gehört, finden wir uns auf einem Ochsenkarrenweg wieder, der uns durch mehrere Orte bis Panauti führt. Doch lang zieht sich der Weg, uns scheint es, als wären mehrere Wagenladungen großer Steine auf den schlammigen Weg gekippt wurden, dadurch entsteht ein schlammiger Untergrund, aus dem zehn Zentimeter hoch die Spitzen der Steine herausschauen. Dadurch läßt sich der Weg weder sonderlich gut bewandern oder befahren, aber er wird während der Monsunregen nicht unbenutzbar, wodurch die Verbindung zwischen den Dörfern erhalten bleibt. Dann endlich sehen wir es im Regen vor uns liegen - Panauti! An dem Zusammenfluß der Flüsse Rosi und Punyamati befindet sich das wichtigste Heiligtum des Banepa-Tales, der Indreshvara Mahadeva Tempel. Ein weiterer, unsichtbarer Fluß, der Lilamati, der nur für Weise sichtbar ist, vereinigt sich ebenfalls mit den beiden Flüssen. Doch bevor wir zu diesem Tempel gelangen, besichtigen wir den Brahmayani-Tempel und müssen schließlich noch eine Hängebrücke überqueren. Die Tempelanlage von Panauti liegt am Zusammenfluss zweier sichtbarer Flüsse, der dritte, unsichtbare, strömt von den Bergen herunter... Unter dem Dach des Krishna-Tempels warten wir, froh über ein trockenes Plätzchen, auf die Nichtmitgewanderten, die mit dem Bus nach Panauti gekommen sind. Jetzt besuchen wir eine der künstlerisch bedeutendsten Bauten Nepals, dessen dreigeschossige Pagode "Shiva, dem Herrn von Indra" geweiht ist. Über eine schräge, gepflasterte Auffahrt gelangen wir in den ummauerten Hof, in dessen Mitte sich das Heiligtum befindet. Wir dachten, daß jetzt alle Schwierigkeiten des Tages hinter uns lagen, doch der mit roten Ziegeln gepflasterte Hof und die Auffahrt waren durch den Regen glitschig wie Glatteis, so daß wir rutschend mit den Armen rudernd unser Ziel erreichten. Der Tempel, der im dreizehnten Jahrhundert errichtet wurde, zählt heute als einer der ältesten Tempel Nepals, der seine jetzige Form als eine Kopie des Tempels von Pashupathinath im fünfzehnten Jahrhundert erhielt. Viele Schnitzereien, die Shiva und auch kleine erotische Szenen darstellen, verzieren die Pagode. Im oberen Drittel des Bauwerkes sind Töpfe und Pfannen zu sehen, die von Jungvermählten gestiftet werden und die eine glückliche Ehe bewirken sollen. Trotz des Regens genießen wir die Vielzahl der kleineren Bauwerke, Rasthäuser und Skulpturen auf dem Gelände. Die Ähnlichkeit mit Pashupatinath ist nicht nur äußerlicher Natur, denn bei diesem Heiligtum handelt es sich um den bedeutendsten Verbrennungsplatz des Banepa-Tales. Alles was wir heute hier sehen, wurde während der verschiedenen Erdbeben größtenteils zerstört und erst in den letzten Jahren mit Unterstützung Frankreichs wieder aufgebaut. Nach der Besichtigung der Tempelanlage wandern wir durch das Städtchen zum Bus, der uns dann in der bereits einbrechen-den Dunkelheit über halsbrecherische Serpentinen bis Nagarkot bringt. Hier stellen wir dann fest, daß es sich um ein fast europäisches Hotel mit all seinen Annehmlichkeiten handelt und mit Entsetzen bemerken wir, daß unser Gepäck, das auf dem Dach des Busses transportiert wurde, naß war. Zumindest alles, was nicht im Hartschalenkoffer war, hatte eine ähnliche Durchnässung wie wir selbst.....

Dhulikhel 2
NEPAL - Übersicht
Nagarkot