Regen. Irgendwann in der Nacht
weckt uns ein ungewohntes Geräusch, das uns dann den ganzen Tag begleiten wird
- fallender Regen! Und das nicht nur in der Light-Version, nein, teilweise stürzt
da ganz schön viel Wasser von oben herunter. Morgens befinden wir uns zwischen
den Wolken, unter uns, über
dem
Tal, schwebt die erste Schicht, über uns eine weitere. Trotz des Regens brechen
wir zu unserer größten Tour auf, die uns über das Bergkloster Namobuddha nach
Panauti führen wird. Da der Regen nicht nachläßt, entschließen wir uns für den
sichereren Weg, für die sogenannte Straße, denn durch den mittlerweile mehrstündigen
Niederschlag ist alles so aufgeweicht und voller Pfützen, daß es für ein Auto
unmöglich zu befahren erscheint. Wir erleben zwei Motorradfahrer, die sich selbst
davon nicht abhalten lassen und zwischen den Pfützen dahinschliddern. Selbst
das Profil unserer Bergschuhe setzt sich langsam zu, wir suchen schon das Gras
am Wegesrand, das mehr Halt bietet als das Wechselbad von knöcheltiefen Schlammlöchern
und einer glatten Schlammsc
hicht,
die wie Schmierseife wirkt, auf einem festen Untergrund. Dadurch, daß wir die
Straße gewählt haben, ist die Steigung kontinuierlich und nicht so gewaltig
wie angenommen, lediglich der Anstieg zum Schwarzmützen-Kloster Namobuddha fordert
uns noch einmal so richtig. An dieser Stelle traf einst ein Prinz eine Tigerin,
die kurz vor dem Verhungern war. Aus Mitleid bot sich der Prinz der Tigerin
als Futter an. Die Knochen des dann in einen Buddha transformierten Prinzen
sollen sich in dem Stupa befinden, der an dieser Stelle errichtet wurde. Wir
gelangen genau zur Mittagszeit am Kloster an, treffen die Mönche beim Essen
an, das sie auf einer überdachten Terrasse einnehmen. Uns werden zwei Bänke
zur Verfügung gestellt, wir sind froh, dem Regen erst einmal entkommen zu sein,
genießen die Trockenheit und unser einfaches Mittagessen, das sich hauptsächlich
aus Äpfeln, Bananen und einem belegten Brot zusammensetzt. Nach dem Essen besichtigen
wir das Innere des Klosters und wandern dann zu dem tiefer gelegenen Stupa.
Während dieses Weges hört der Regen auf, die Sonne bricht für eine
kurze
Zeit durch, doch bereits während des Abstieges in das Tal beginnt es wieder
zu regnen... In der Ebene angelangt, die bereits zum Banepa-Tal gehört, finden
wir uns auf einem Ochsenkarrenweg wieder, der uns durch mehrere Orte bis Panauti
führt. Doch lang zieht sich der Weg, uns scheint es, als wären mehrere Wagenladungen
großer Steine auf den schlammigen Weg gekippt wurden, dadurch entsteht ein schlammiger
Untergrund, aus dem zehn Zentimeter hoch die Spitzen der Steine herausschauen.
Dadurch läßt sich der Weg weder sonderlich gut bewandern oder befahren, aber
er wird während der Monsunregen nicht unbenutzbar, wodurch die Verbindung zwischen
den Dörfern erhalten bleibt. Dann endlich sehen wir es im Regen vor uns liegen
- Panauti! An dem Zusammenfluß der Flüsse Rosi und Punyamati befindet sich das
wichtigste Heiligtum des Banepa-Tales, der Indreshvara Mahadeva Tempel. Ein
weiterer, unsichtbarer Fluß, der Lilamati, der nur für Weise sichtbar ist, vereinigt
sich ebenfalls mit den beiden Flüssen. Doch bevor wir zu diesem Tempel gelangen,
besichtigen wir den Brahmayani-Tempel und müssen schließlich noch eine Hängebrücke
überqueren.
Unter
dem Dach des Krishna-Tempels warten wir, froh über ein trockenes Plätzchen,
auf die Nichtmitgewanderten, die mit dem Bus nach Panauti gekommen sind. Jetzt
besuchen wir eine der künstlerisch bedeutendsten Bauten Nepals, dessen dreigeschossige
Pagode "Shiva, dem Herrn von Indra" geweiht ist. Über eine schräge, gepflasterte
Auffahrt gelangen wir in den ummauerten Hof, in dessen Mitte sich das Heiligtum
befindet. Wir dachten, daß jetzt alle Schwierigkeiten des Tages hinter uns lagen,
doch der mit roten Ziegeln gepflasterte Hof und die Auffahrt waren durch den
Regen glitschig wie Glatteis, so daß wir rutschend mit den Armen rudernd unser
Ziel erreichten. Der Tempel, der im dreizehnten Jahrhundert errichtet wurde,
zählt heute als einer der ältesten Tempel Nepals, der seine jetzige Form als
eine Kopie des Tempels von Pashupathinath im fünfzehnten Jahrhundert erhielt.
Viele Schnitzereien, die Shiva und auch kleine erotische Szenen darstellen,
verzieren die Pagode. Im oberen Drittel des Bauwerkes sind Töpfe und Pfannen
zu sehen, die von Jungvermählten gestiftet werden und die eine glückliche Ehe
bewirken sollen. Trotz des Regens genießen wir die Vielzahl der kleineren Bauwerke,
Rasthäuser und Skulpturen auf dem Gelände. Die Ähnlichkeit mit Pashupatinath
ist nicht nur äußerlicher Natur, denn bei diesem Heiligtum handelt es sich um
den bedeutendsten Verbrennungsplatz des Banepa-Tales. Alles was wir heute hier
sehen, wurde während der verschiedenen Erdbeben größtenteils zerstört und erst
in den letzten Jahren mit Unterstützung Frankreichs wieder aufgebaut. Nach der
Besichtigung der Tempelanlage wandern wir durch das Städtchen zum Bus, der uns
dann in der bereits einbrechen-den Dunkelheit über halsbrecherische Serpentinen
bis Nagarkot bringt. Hier stellen wir dann fest, daß es sich um ein fast europäisches
Hotel mit all seinen Annehmlichkeiten handelt und mit Entsetzen bemerken wir,
daß unser Gepäck, das auf dem Dach des Busses transportiert wurde, naß war.
Zumindest alles, was nicht im Hartschalenkoffer war, hatte eine ähnliche Durchnässung
wie wir selbst.....