Unsere heutige Wanderung beschränkte
sich auf die Umgebung des Hotels und der Stadt, doch bis wir diese erreichen,
laufen wir durch ein Tamang-Dorf. Dieser Stamm ist größtenteils buddhistisch,
dabei beten sie aber immer noch ihre Naturgottheiten an, die Toten werden jedoch
der buddhistischen T
radition
gemäß verbrannt. Wir wandern auf einem schmalen Weg an den Häusern vorbei, die
an einem Hang gebaut sind, so nah laufen wir daran vorbei, daß es scheint, daß
wir Hof und Küche durchqueren. Der Schamane sitzt erst vor einer Hütte, begibt
sich in das Innere, hantiert mit Räucherstäbchen und Farben und anderen Ingredienzen,
murmelt etwas vor sich hin. Nach den Häusern gelangen wir zu dem Dorfheiligtum,
das etwas entfernt, in einem kleinen Tal gelegen ist, am Hang darüber befindet
sich der Verbrennungsplatz. Den ganzen Weg entlang bis hierher und weiter bis
in das nächste Dorf werden wir von einer Schar Kinder begleitet, herumtobend,
bettelnd und kichernd. Wir schlagen einen großen Bogen und gelangen durch frisch
angelegte Terrassenfelder wieder in die Nähe von Dhulikhel. Kurz bevor wir die
Stadt erreichen, biegen wir ab, besteigen einen größeren Hügel (oder war es
ein kleinerer Berg?), auf dem sich ein Kali-Tempel befindet, vor dem betende
Männer sitzen, still zuschauende Frauen, in Schalen aus Blättern, den typischen
Opf
erschalen,
befinden sich einige Krümel Reis, Farbe, Blut und Räucherstäbchen verbreiten
ihren Duft. Wir erholen uns am Rande des Tempels vom Aufstieg und sehen wie
unter uns, auf einem Opferplatz, ein kopfloser Büffel gerade weggetragen wird,
überall sind die Zeichen des Blutes zu sehen, auf dem Platz, in Kreisen verteilt
und beim Abstieg auf jeder Treppenstufe bis in den Ort hinein... Doch auch in
Dhulikhel, hier etwas anders, hier wurden die Maschinen mit Blut bespritzt.
Das bringt Glück und vor allem weniger Ausfälle, weniger Schäden im nächsten
Jahr. Und so bietet sich ein für uns Europäer eher befremdlicher Anblick: vor
den Autos oder Motorrädern ausgebreitet das Werkzeug inklusive Wagenheber, daneben
die Opferschalen, duftende Räucherstäbchen und überall die Spuren vom Blut.
Die Steigerung war dann die Zapfsäule einer Tankstelle, die über und über mit
Blut befleckt war. W
ieder
einmal laufen wir staunend durch die engen Straßen, deren Häuser wieder reiche
Holzverzierungen tragen, teilweise werden diese Fenster auf ein Alter von zweihundert
Jahren und mehr geschätzt! Glücklicherweise hat sich langsam die Einstellung
der Nepalis geändert, das historische Interesse (ist das das richtige Wort?)
ist erwacht, bei der Restauration von Häusern werden die alten Fenster nicht
mehr weggeworfen, sondern bleiben erhalten, um so auch der Nachwelt von ihrer
Kunstfertigkeit zu berichten. Im Zentrum des Städtchens öffnet sich die Straße,
um de
m
Tempel der Harasiddhi Platz zu schaffen, von dort aus geht es leicht bergan
und westlich bis zum Tempel der Dhurga / Bhagwati. Am äußeren Tor des Tempels
befindet sich eine sehr schöne und farbenfrohe Darstellung der Dhurga, im Tempelhof
selbst einige Statuen, darunter ein Lingam, in der Yoni stehend, mit vier Gesichtern,
die jeweils in eine Himmelsrichtung blicken. Auf den Skulpturen liegen Opfergaben
verstreut, die sich jetzt einige Ziegen munden lassen... Die dreistöckige Pagode
selbst stammt aus dem siebzehnten Jahrhundert. Wir lassen die Umgebung etwas
auf uns einwirken, wandern zurück in die Stadt, kaufen in einer Apotheke vorbeugend
noch etwas Antibiotika und suchen uns dann zu viert ein Restaurant, durchwandern
die Stadt ein weiters Mal und bereiten uns langsam auf unsere morgige Wanderung
vor.