Freitag, 22.10.1999 Kathmandu / Bhakthapur

Ein Sadhu in PashupathinathGerade noch habe ich am Fenster gestanden, hinausgeblickt auf dieses traumentsprungene Ensemble aus Ziegel und Holz, habe wieder einmal das Konzept dieses Hotels bewundert, das Arbeitsmöglichkeiten für viele Menschen schafft und alte Kunstschätze wahren und restaurieren hilft. In einem der Bäume zirpt eine Zikade, weiter entfernt bellen die nächtlichen Herren der Stadt und unten im Hof brennen die letzten Kerzen... Nach dem Everest-Rundflug haben wir noch einmal Pashupatinath besucht - diesmal waren viel mehr Touristen auf dem Gelände, die Saison beginnt. Wir aber sehen jetzt vieles mit anderen Augen, sind nicht mehr geschockt, wie am ersten Tag, sind gefaßter, neugieriger, vertrauter, sind wieder da und bereuen es nicht! Auch die Sadhus sehen wir jetzt anders, wir wissen, daß wir für das Fotografieren eine Kleinigkeit bezahlen müssen, allerdings sind wir fast geschockt, da wir als Gegenleistung eine Visitenkarte erhalten! Wir nehmen uns Zeit, betrachten das erneut das Tempel-gelände aus der Ferne, bevor wir wieder in das Hotel zurückkehren. Dann haben wir noch Zeit für eine kleine Pause, bis wir die dritte Königsstadt des Kathmandutales, Bhakthapur, besuchen.

Die fast autofreie Innenstadt liefert uns zum Abschied Bilder, die sich uns tief Bhakthapur, Frau beim sieben von Reiseinbrennen, Frauen beim Sieben von Reis, kleine Ziegen in den en-gen Gassen, zwei Mädchen in einem Laden, die häkeln, während sie auf Kundschaft warten, ein sich rekelnder Hund auf einem Barhocker, zu Stein erstarrt scheinende alte Menschen, Gemüsehändler hinter ihren mit Äpfeln vollgepackten Fahrrädern, eine fast tote Ratte im Rinnstein und natürlich diese fast wahnwitzigen Tempel in der geziegelten Stadt. Bhakhtapur wurde bei dem Erdbeben von 1934 zu siebzig Prozent zerstört und im Lauf der Jahre mit deutscher Unterstützung wieder restauriert, dabei wurde auch der ursprüngliche Straßenbelag - gebrannte Ziegel wieder hergestellt. Wir besichtigen das goldene Tor, das schönste Portal Nepals, auf dessen Säulen sehr schöne Abbildungen von Kali und anderen Gottheiten zu sehen sind. Dahinter öffnen sich die verschiedensten Höfe, in einem befindet sich eine Opferstätte, in der wahrscheinlich auch Fleisch liegt, der Gestank war jedenfalls bestialisch... Dahinter befindet sich das Ritualbad mit sehr schön ausgearbeiteten Kobras und auch ein hei-liger Tempelbezirk, in den wir nicht hinein dürfen, und der auch für unsere Kameras verboten bleibt. Die beiden Hauptplätze Bhakthapurs entstanden Das goldene Toraus den ursprüng-lichen Handelszentren, erst später wurde der Durbar Square erbaut. Nach der Besichtigung der vielen Tempel und einer sehr sehr schönen Stadt geht es wieder zurück ins Hotel. Bhakthapur, Tempel

 

 

 

 

 

 

Hier, im Hotel, erfahren wir bei einem Empfang durch die Geschäftsführerin die Ziele des Hotelprojektes, die Entstehungsgeschichte, dazu gibt es Rakshi, den einheimischen Schnaps und einige kleine Snacks. Damit geht es dann später im Krishnarpan Restaurant weiter: Schuhe ausziehen, dann wartet schon eine Angestellte mit einem Krug, gefüllt mit duftendem Wasser, um die Hände zu waschen, dann be-treten wir das Innere des Lokales, lassen uns im Schneidersitz nieder, uns wird eine Schürze umgebunden, erneut fällt der Rakshi aus über einem Meter Höhe in die Tonschälchen - unser Abschiedsessen hat begonnen, ein 14-gängiges Menü....

 

 

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