Mittwoch, 13.10.1999 Begnas Lake Resort


Begnas Lake mit dem Annapurna HimalHeute morgen aufwachen, aus dem Fenster schauen und einen Überraschungsruf ausstoßen war eins - die Wolken hatten sich verzogen, dem Ausblick auf den Annapurna Himal stand nichts mehr im Wege! Von der Morgensonne beleuchtet, ragen uns die Gipfel des Machapuchare und des Annapurna IV fast ins Zimmer hinein, die Spiegelungen im Begnas See verstärken den Eindruck einer veränderten, neuen Umgebung - traumhaft schön! Wir sind im Bann der Berge, der Unnahbarkeit, Unerreichbarkeit, kalt und geheimnisvoll, majestätisch und drohend, lockend. Irgendwo reißt eine Sehnsucht, um diesen Bergen näher zu kommen, doch wieder weiß ich - Berge lassen sich nicht bezwingen oder besiegen, sie lassen höchstens eine BesteiUnser "Taxi" zum Hotel...gung zu, mehr nicht. Mit dem Fernglas rutschen die Berge noch näher, Einzelheiten werden deutlich, verstärken Sehnsucht und Unmöglichkeit. Mühsam reißen wir uns los, genießen den Garten, die Blüten, den See vor dem neuen Hintergrund ganz an-ders, mit neuem Verstehen. Die Bootsfahrt vor dieser schier unbeschreiblichen Kulisse, vor den kaltweißen Bergen und den saftiggrünen Reisfeldern, den nahen Hügeln und deren Reflexionen im ruhigen Wasser ist der blanke Genuß! Der Bus, der uns dann zu dem Ausgangspunkt unserer Tour bringt, ist auch ein Erlebnis... Oder vielmehr die Straße und der Verkehr, das ständige Fahren in der Mitte mit knappen Ausweichmanövern nach links, kurz vor dem Gegenverkehr. Allerdings kommen uns nicht nur Fahrzeuge entgegen, auch Kühe sind unterwegs, mit dem schon Blick auf den  Begnas Lakeerwähnten Unterschied, daß das Töten einer Kuh mit zwölf Jahren Gefängnis geahndet wird. Letztendlich überstehen wir dieses erste Verkehrsabenteuer sehr gut, erreichen un-seren Startpunkt, werden rausgelassen und laufen auf die am Horizont aufragenden Berge zu. Langsam wachsen die Wolken, bald ziehen die Berge ihren feuchten Schleier in falscher Scham um sich, lassen ihn erst am Abend wieder fallen, errötend in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne... Der Tag heute ist deutlich heißer als gestern, die Luftfeuchtigkeit dafür etwas geringer, der Anstieg gleichbleibend steil, die Wege jedoch einfacher als gestern. Während des ersten Zeit können wir die Berge im Hintergrund noch sehen, nach 600 - 800 m Aufstieg sehen wir jedoch nur noch Wolken, können uns wieder der hügeligen Landschaft widmen, die Dörfer und Menschen genießen, wir erfrischen uns in einem kleinen Bergdorf mit Coke und passieren dann einen kleinen Weiher, der sich auf einem Bergsattel befindet. Ein tibetiAm Begnas Lakescher Händler läßt sich neben uns nieder, breitet Schmuck und Schnitzereien aus, wünscht uns zum Abschied einen guten Tag, eine gute Reise, bis nächstes Jahr. Woher weiß er, daß dieses Land Sehnsucht erwecken kann? Wieder steigen wir ab, über Steinstufen, die nicht einer Laune der Natur, son-dern eher wegen ihrer Beständigkeit gegenüber dem Monsunregen entstanden sind, und die bestmögliche Verbindung zwischen den Dörfern gewährleistet. Unser Abstieg führt uns über mehrere Bergrücken, oder sind es nur Ausläufer von Hügeln? Weiter durch alm-ähnliche Landschaften, Büffel suhlen sich in Teichen, junge Schafen und Ziegen weiden neben dem Weg, sitzen die Frauen und Kinder unter dem Dorfbaum, die Männer bei einem Brettspiel und die Kinder springen neben uns her - "Namaste, where do you come from? Which country?" Wir treffen viele Menschen, die uns entgegenkommen, Frauen mit riesigen Lasten, den Kopf gebeugt, der mit einem Stirnband die Last abfängt, Frauen und Männer, deren Alter wir nicht schätzen können. Und wir begegnen Männern, die nach der Begrüßung fragen, wohin wir gehen, mit einem freundlichen, gütigen Lächeln im faltigen GesichtFrauen bei der Arbeit. Es geht abwärts, immer noch über endlos scheinende Stufen, vorbei an Hütten, gedeckt mit Reisstroh, das nach der Ernte getrocknet wird und dessen Wechsel jedes Jahr aufs neue erfolgt. Hütten, in denen es weder fließendes Wasser noch elektrischen Strom gibt. Meistens befindet sich ein Lehmofen draußen vor der Tür, das Domizil der Frauen... Zwischen den Bäumen scheint und glitzert uns der Begnas See entgegen, in der Ferne das Hotel, der Weg bis zu den Booten ist nicht mehr weit, bald haben wir es geschafft....

Begnas Lake 2
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