Dienstag, 12.10.1999 Begnas Lake Resort

Die Sonne ist untergegangen, wir können den See nur noch ahnen in der Dunkelheit, die Berge, die wir uns heute erwandert haben, sind von der Schwärze verschluckt, die von keinem Licht außerhalb unseres Hotels unterbrochen wird. Unsere heutige Ganztageswanderung begann direkt hinter dem Hotel. Wir gelangen über zweihundert Stufen, steil aufwärts, an eine kleine, unbefestigte Straße, die uns das erste Stück auf unserer Tour rund um den Begnas See beglDas Hotel am Begnas Lakeeitet. In Europa würden wir es als breiten Feldweg akzeptieren, hier ist es die einzige Straße, die in die Nähe des Hotels führt... Wir treffen auf ein kleines Dorf und ab sofort wird uns den ganzen Tag ein Ruf begleiten: Namaste! Nach der Antwort, die ebenfalls Namaste lautet, kommt dann bei den Kindern fast unweigerlich die Wort "Hello Pen, give me sweet,.." Wir wandern durch die terassierten Berghänge, durch leuchtend grüne Reisfelder, die kurz vor der Ernte stehen. Dann gelangen wir wieder in eines der verstreut liegenden Gurung-Dörfer, erleben die Frauen bIn einem kleinen Dorf am Begnas Lakeei der Arbeit, beim Essenkochen oder Schnapsbrennen. Kleine Hütten schmiegen sich an den Berghang, die Nebel, die uns den ganzen Morgen begleiteten, lichten sich, die Sonne dringt durch und verleiht der Landschaft ein ganz anders Bild. Wieder einmal wandern wir Stufen aufwärts und fragen uns, wer diese Treppen angelegt hat, welche immense Arbeit ohne technische Hilfsmittel... Immer weiter geht es aufwärts, vorbei an einem Weiher, in dem sich die Ochsen erfrischen, ein Mann mit einem halben Baumstamm auf dem Rücken überholt uns, Kühe tummeln sich auf dem Weg und Kinder sind vom Bild-schirm meines Camcorders so begeistert, daß ich mich nur mit Mühe wieder losreißen kann, um den Rest unserer Truppe wieder einzuholen. Am Gipfel angelangt, bietet sich uns ein sehr schöner und doch wolkiger Ausblick in Richtung Himalaya. Doch hinter den malerischen Bergen und Tälern ballen sich die Wolken, versperren uns immer noch den Blick auf die großen Berge, nur einmal reißt dieses Wolkengebirge kurz auf, enthüllt schüchtern einen Steilhang im juBlick auf den Begnas Seengfräulichen Weiß, um sich kurz darauf wieder zu verbergen. Hier oben, auf 1200m Höhe, direkt neben einem Shiva-Heiligtum, ruhen wir uns aus, genießen unser Lunchpaket und schauen den Männern zu, die unter einem großen Ficusbaum sitzend, laut aus einem Buch rezitieren, direkt neben dem Heiligtum, das aus einer großen kreisförmigen Vertiefung besteht, in deren Mitte der Dreizack, das Wahrzeichen Shivas errichtet ist. Langsam werden die Kinder, die uns bis hierher gefolgt sind, immer dreister mit ihrer Bettelei und Mohan, unter nepalesischer Guide, kann sie nur teilweise verscheuchen. Wieder lernen wir sehr viel durch die Erzählungen von Sebastian Wendlandt, wir erfahren wissenswerte geologische Details dieser Gegend und über die Benutzung dieses Plateaus als Befestigungsanlage während der Kriege. Anschließend folgt der unvermeidliche Abstieg, doch immer wieder gibt es kleine Steigungen, die uns über die Hügel, die den See säumen, und schließlich auf das Niveau des Sees, an eine Flußmündung, führen. Nach einer Erfrischung mit gekühlter Pepsi, die wir zum Preis von 10 Rupien in einem kleinen Laden erstehen, fährt der größte Teil von uns mit Booten zurück zum Hotel, zu fünft setzen wir unseren Weg, gemeinsam mit Mohan, fort. Dazu müssen wir allerdings erst den Fluß überqueren, also Bergstiefel und Socken aus, durch das frische Wasser gewatet, wieder anschuhen und dann die nächsten siebzig Minuten auf einer neu ausgebauten Pseudostraße entlang wandern, bis wir "unsere" Bootsanlegestelle erreichen und zum Hotel hinübergerudert werden. Morgenstimmung am begnas Lake





 

 

 

 

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