Und schon ist es Zeit für den
ersten Abschied - am späten Vormittag fliegen wir nach Pokhara, verlassen unser
schon liebgewonnenes Hotel, um es am Ende unserer Rundreise wieder zu besuchen.
Noch einmal haben wir Gelegenheit, die prächtigen Pfosten aus Salholz zu bewundern,
Gelegenheit, die einzigartige Atmosphäre dieses Ortes zu spüren, den Genius
Loci auf uns wirken zu lassen, das Zwitschern der Vögel, die roten Ziegelbauten
mit dem vielen Holz, das ständige Grün, die kleinen, allgegenwärtigen Statuen,
Säulen, Blüten, zwischen denen riesige Schmetterlinge flattern, die Düfte der
Blumen, die Kühle und Geborgenheit, der Geruch nach Limonen, der Zauber der
newarischen Schnitzereien im teilweise ausgeblichenen Holz....

Heute morgen, am Flughafen, hatten
wir als erstes das Erlebnis eines asiatischen Inlandsterminals mit all dem Chaos,
das dazugehört: nach dem Übersteigen einer Gepäckwaage gelangten wir zur Security
- eine Sicherheitsüberprüfung, die in einem Abstempeln der Bordkarte bestand.
Anschließend mußten wir feststellen, daß unser Flug
nach Pokhara ca. eine Stunde Verspätung hatte, doch nach einer kaum ver-ständlichen
Lautsprecherdurchsage setzten wir uns in Bewegung, bestiegen eine zweimotorige
Propellermaschine, die uns dann schnell in den quellwölkigen Himmel brachte,
heraus aus dem Tal von Kathmandu, dicht über die Reisterassen hinweg und doch
noch weit unterhalb der schneebedeckten Gipfel des Himalaya, das rechts an uns
vorbeizog. Die eisigen, schneebedeckten Gipfel wirken im Gegensatz zu der grünen
Landschaft unter uns wie einem Film entsprungen, unerreichbar, unnahbar. Nicht
lange konnten wir diesen Anblick genießen, schon waren dreißig Minuten vergan
gen,
ein kurzer Sinkflug und wir waren in Pokhara. Durch die Stadt wurden wir in
einem kleinen Bus gefahren, bis wir in einem an einem See gelegenen Gartenrestaurant
unsere Mittagspause einlegten. Der Blick gleitet über die Grünflächen, die Blumen,
über den Phewasee und die dahinter liegenden Berge, den fast wolkenlosen Himmel,
wird dann abgelenkt durch riesige Schmetterlinge, die sich weder filmen noch
fotografieren lassen wollen. Nach dem Essen werden wir in kleinen Booten auf
die andere Seite des Sees gerudert und beginnen unseren Aufstieg durch den Wald
zur Peace Pagoda. Von weitem sah der Aufstieg weder steil noch weit aus, erst
aus der Nähe erkennen wir unseren Irrtum, haben wird noch lange, schweißtreibende
Minuten durch den dichten Wald vor uns. Inmitten der Vögel und Falter, zwischen
Farnen und Bäumen regt sich kein Lüftchen, kein Hauch
vertreibt
die drückend hohe Luftfeuchtigkeit... Immer wieder genießen wir den Blick auf
den immer kleiner werdenden See, auf kleine Tiere, Insekten und fremde Gewächse...
Dann schließlich liegt der See unter uns ausgebreitet, die benachbarten Berge
scheinen ganz nah, die Reisterassen leuchten mit ihrem saftigen Grün, Pokhara
scheint weit entfernt und der Stupa ganz nah vor uns, noch nicht fertigge-stellt,
die Malerarbeiten sind in vollem Gange. Unsere Pause ist nicht allzu lang, denn
über dem See sammeln sich die Wolken und kaum haben wir den Abstieg begonnen,
wird die Befürchtung zur Tatsache - unsere Regenjacken befinden sich im Gepäck,
im Bus, unerreichbar weit entfernt... Und der Abstieg verwandelt sich in eine
Rutschpartie, die Treppen, die aus Natursteinen angelegt bei trockenem Wetter
eine echte Hilfe sind, stellen sich jetzt als glatte Rutschsteine dar, neben
uns bildet sich ein Bach, der die Gewalt des tropischen Regens in sich aufnimmt.
Eine Stunde dauert der Abstieg durch den dichten Wald, bis sich die Bäume vor
uns lichten und uns die erste Windbö zum Frösteln bringt. Wir durchqueren saftig
grüne Felder im nachlassenden Regen, bis wir vor uns als ein wa
hres
Highlight eine Hängebrücke sehen. Gehalten von dicken Drahtseilen führen uns
die rutschigen Bretter über den Fluß und wie nicht anders zu erwarten, beginnt
die Brücke zu schwanken... Unmittelbar hinter der Brücke steht dann unser Bus!
Doch zum Trocknen reicht die Zeit kaum, denn die Fahrt bis zum Begnas See dauert
nicht lange, dann kommt ein kurzer Fußmarsch, bei dem wir feststellen, daß es
hier noch nicht geregnet hat, als auch schon die ersten Tropfen fallen und wir
die Boote erreichen. Wir haben gerade abgelegt, die Anlegestelle ist hinter
einer Biegung verschwunden, das Hotel noch nicht sichtbar und der Regen wird
zum Wolkenbruch, doch diesmal sitzen wir unter einem, wenn auch dünnen, Dach.
Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt, bis wir in einer Bucht, an einem Hang
gelegen, die Hotelanlage sehen, die nur über den See oder einen steilen Aufstieg
und dann per Jeep zu erreichen ist. Die Häuser sind aus Bruchsteinen so an den
Hang gebaut, daß jedes der vier Zimmer einen Seeblick hat, inmitten einer durchaus
üppigen Gartenanlage, außerhalb jeglicher Zivilisation. Ruhe. Und das Geräusch
des Regens.